Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie

und Kaiser leisten zu können. Se. Majestät nahmen die Bitte gnädig auf, wollten mich aber dem russischen General Kutusow zuweisen. Ich wendete mich deshalb an den Kriegs-Präsidenten Grafen Latour, der es durchsetzte, dass FML. Schmidt zu Kutu­sow gesandt wurde und ich wieder zur Armee des Erzherzogs Carl zurückkehren durfte. Die Armee des Erzherzogs Carl war nach der gewonnenen Schlacht bei Caldiero in Folge der Capitulation von Ulm im Rück­züge nach Wien begriffen. Ich erhielt meine vorige Brigade mit Carl-Uhlanen') und den Grenzern. Sie stand, als der Feind vor­rückte, am Tagliamento. Der Erzherzog besorgte, während des Rück­zuges noch im Gebirge von der französischen Armee im Rücken genommen zu werden und beorderte mich daher, mit dem Regimente Carl-Uhlanen so schnell wie möglich an die Drau zu eilen, um die allenfalls vorrückende feindliche Avantgarde an diesem Flusse aufzuhalten. Durch diese Brigade gedeckt, konnte die Armee über Neustadtl in Krain den weiteren Rückzug fortsetzen. Ich vereinigte das Regiment Carl und marschirte über Görz und während des stärksten Borawindes durch den Birnbaumer Wald nach Loitsch, von da, nach der Fütterung, bis Laibach; den fol­genden Tag nach Cilii und wieder den folgenden Tag nach Marburg, wo mir die Nachricht zukam, Marmont sei von Wiener- Neustadt her im Anmarsche gegen mich. Ich organisirte durch die Landesbehörde einen Landsturm, von welchem die Gebirge längs der Drau bewacht und Alarm­stationen mit Wachtfeuern und Pollern eingerichtet wurden. Ich vernahm in Marburg von dem Vordringen einer feind­lichen Reiter-Abtheilung, die sich gegen Ehrenhausen in Marsch gesetzt hatte. An der Spitze zweier Divisionen rückte ich, unge­achtet des eisigen Weges, gegen Ehrenhausen vor. Mitten auf der Höhe des Platsch-Berges angelaiigt, sahen wir den Feind, bei dessen Anblick die Polier in dem Gebirge ihr Feuer begannen, worüber die feindliche Colonne stutzig wurde. Ich schickte schnell einen Officier mit dreissig Mann als Avantgarde bis an die bei Ehren­hausen befindliche, gedeckte Brücke und folgte mit den übrigen. Die anderen zwei Divisionen wurden bis Pettau auf die Haupt- Uebergangspunkte detachirt. Die beiden Avantgarden stiessen auf ’) Uhlanen-Reginjent Nr. 3.

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