Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. 53 Chef des General-Quartiermeister-Stabes, General Zach, auf, sielt zu Ott zu begehen und das Eine oder das Andere zu be­schleunigen. General Zach hatte den Kundschafter bei sich, der uns Cuneo in die Hände gespielt hatte. Dieser, auf seine Sicherheit bei den Franzosen nicht mehr trauend, schloss sich an den General Zach an. Er war ein Spieler von Profession, liederlich und kein Geld achtend und opferte Alles, um seinen Lüsten nachzukommen. Als Zach bei Ott eintraf, war die Capitulation gegen freien Abzug mit Truppen und Feldgeschütz mit Masséna bereits abgeschlossen worden und Hohenzollern rückte mit einer Brigade in Genua ein. Zach änderte in Folge eines Berichtes seines Kundschafters, dass Napoleon mit seiner Truppe bei Mezzana-Corte ä eheval des Po stehe, die von Melas an Ott erlassene Disposition, nach Alessan­dria zu marschiren ab, und beredete Ott, anstatt nach Alessandria zu gehen, schleunigst gegen Stradella zu marschiren und die fran­zösische Armee im Rücken anzugreifen, wenn solche sich in Marsch gegen Alessandria setzen werde. Ott folgte; mit Unterlassung aller Vorsichtsmassregeln rückte die durch Fatiguen sehr hergenommene, aus fünfzehn- bis siebzehntausend Mann bestehende Colonne gegen Stradella, wo Napoleon’s Armee schon aufgestellt war und die Colonne mit einem lebhaften Feuer empfing. Noch im Aufmärsche be­griffen, wurde die Colonne, welche nach einem empfindlichen Ver­lust sich gegen Alessandria zurückzog, geworfen. Melas hatte über die Bormida eine doppelte Brücke schlagen und solche mit einem Brückenkopf versehen lassen. Anstatt sich hier in einer vortheilhaften Stellung mit einer zahlreichen Armee zu befinden, hatte er nur noch die Trümmer geschlagener und ge­sprengter Colonnen, an allen Vorräthen Mangel leidende, entmuthigte Reste in der Stärke von kaum vierzigtausend Mann beisammen, als er in Alessandria die Feldmarschall-Lieutenants nebst seinem Chef des General-Quartiermeister-Stabes und dem Obersten de Pest dieses Corps zusammenberief und sie um ihre Meinung befragte, ob es räthlich sei, mit den so herabgekommenen Truppen Napoleon’s sieggewohnter Armee entgegen zu gehen oder sich über Valenza hinter den Po zurückzuziehen. Die Meinungen waren getheilt und die Berathung hatte noch kein Ergebniss herbeigeführt, als plötzlich durch das Feuer der

Next

/
Thumbnails
Contents