Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853

108 Gerb a. nütliigen Dispositionen treffen. Ihr seid allein für Eure Ausrottung verantwortlich. Die Brücke über die Zeta wird noch heute fertig, genau an dem von mir gewählten Punkte; sobald sie fertig ist, kann Jeder von Euch, der Lust dazu hat, sie besichtigen. Koch einmal ermahne ich Euch, Euch zu unterwerfen, wenn Ihr nicht Euern Untergang herbeiführen wollt; mein Weg zur Durchbrechung der montenegrinischen Streitkräfte führt nicht durch Euer Gebiet; ich kenne andere Strassen und Punkte, auf denen die Montenegriner geschlagen und unterworfen werden müssen. Glaubet denen nicht, die Euch täuschen. Ihr überlegt nicht, dass ich Euch bitte, dass ich sechsundzwanzig Bataillone regulärer Infanterie und zwanzig Kanonen habe, dass überdies auf den kaiserlichen Schiffen eine zweite Armee ist, die zu meiner Ver­fügung steht; ich will sie aber nicht kommen lassen, weil ich ihrer nicht bedarf. Ueberdies habe ich eine unbeschränkte Zahl irregu­lärer Truppen; wollte ich, so könnte ich ganz Montenegro mit Truppen anfüllen, sowie ich jene Bezirke bereits angefüllt habe, in denen die Armee gegenwärtig steht. Es gehört sich, dass ich Euch befehle und nicht, dass ich Euch bitte; so wird es auch mit göttlicher Hilfe geschehen. Handelt übrigens, wie es Euch beliebt.«1) ') Am 11. Februar 1853 war in Belgrad der türkische Festungs-Dolmetsch Achmed Effendi im Aufträge des türkischen Gouverneurs Bessim Pascha beim k. k. General-Consul Oberstlieutenant von Radosavlievic mit der Mittheilung erschienen, dass der Gouverneur von Omer Pascha Nachrichten erhalten habe, wonach er die Montenegriner besiegt und Fürst Danilo mit einigen seiner Ge­treuen sich auf das österreichische Gebiet geflüchtet habe; Bessim Pascha hege die Absicht, den Tag als ein Freudenfest durch Kanonensalven und andere Feier­lichkeiten zu begehen. Der Eindruck dieser Kunde, welche in einer Stunde wie ein Lauffeuer durch ganz Belgrad die Runde machte, war ein äusserst deprimirender auf die Stimmung der christlichen Bevölkerung, umsomehr, als am Morgen dieses Tages ein Türke einen Serben, angeblich ob eines über Montenegro entstandenen Streites, erschossen hatte. Allein der Abend war herangebrochen, ohne dass die Freudenschüsse er­folgten. Fürst Alexander Karageorgievic, welcher am selben Tage um 3 Uhr Nachmittags beim k. k. General-Consul zum Besuche erschienen war, versicherte, von der Ankunft eines ausserordentlichen Couriers von Omer Pascha nichts zu wissen. Diese Umstände Hessen nun keinen Zweifel übrig, dass der Pascha ab­sichtlich diese Nachricht mündlich durch seinen Dolmetsch Achmed verbreiten Hess, um den gesunkenen Muth der türkischen Bevölkerung und wie es schien,

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