Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Über den Gebirsgskrieg (Aus den "Mémoires" des k. k. Kriegs-Archivs) Geschrieben im Jahre 1800 von Generalstabs-Hauptmann (späteren General-Major) Johann Mayer Edler von Heldensfeld
Über den Gebirgskrieg. 95 verschiedensten Gegenständen beschäftigt und vergisst oft, trotz der bestmöglichsten Vorsichtsmassregeln, das Wesentlichste in seiner Lage. Die Verschwiegenheit hängt von dem Charakter und den Fähigkeiten eines Feldherrn, dann von der richtigen Wahl der Untergebenen ab, welchen er Zutrauen schenkt. Nur jenen Männern ist die Absicht einer Unternehmung anzuvertrauen, welche hei dem Entwürfe derselben am wesentlichsten mitarbeiten müssen. Solche Männer, die ihrer Stellung gewachsen sind, die über ihre Aufgabe nachdenken und sie mit der grössten Sorgfalt bearbeiten, werden ein Geheimniss, von welchem der Lohn ihrer Arbeit abhängt, gewiss Niemanden entdecken. Gewöhnlich plaudern nur jene Menschen, die an der Seite des Commandirenden mehr scheinen wollen, als sie sind und durch ihre Schwatzhaftigkeit der Welt weiss machen wollen, dass sie die sind, welche der Feldherr zur Erreichung seiner Absichten am meisten braucht. Eine zu unternehmende Operation kann man leichter geheim halten, wenn man die Anstalten hiezu so viel als thunlich bemäntelt, oder ihnen einen wahrscheinlichen Anstrich anderer Absichten gibt. Dies betrifft hauptsächlich die Anstalten bezüglich der Verpflegung, die Herbeiführung von Pontons und dergleichen Massregeln, welche dem Feinde und seinen Kundschaftern leicht in die Augen fallen. Bevor man offensiv vorgeht, ist sich eine allgemeine und specielle Kenntniss des Landes und der feindlichen Stellung, der Vor- und Nachtheile der Letzteren und des zwischen uns und derselben befindlichen Terrains zu verschaffen. Diese Kenntniss wird durch gute Karten, Kundschafter, landeskundige Inwohner, Deserteurs und durch ausgeschickte Streifcommanden und Patrullen unterFührung geschickter Officiere erlangt. Die Rapporte und Aussagen derselben müssen zur grösseren Sicherheit miteinander verglichen werden und der Commandirende muss sich auch durch Recognoscirungen selbst mit dem Terrain bekannt zu machen suchen und dessen Vor- und Nachtheile wohl erwägen. Nebstdem hat der Feldherr beim Entwürfe einer Unternehmung noch mancherlei Umstände und Verhältnisse, welche den Erfolg derselben begünstigen oder benachtheiligen können, zu berücksichtigen, als: die mehr oder weniger concentrirte feindliche Stellung, ob und welche Arten Verschanzungen vorhanden, ob letztere ganz oder zum Theile offen sind, -— die Stärke der Truppen, besonders der Artillerie, — ob die Truppenstärke mit der Ausdehnung der Stellung im Verhältnisse steht, •— wie die Geschütze und die Truppen zur Vertheidi- gung der Stellung vertheilt sind, — auf welchen Punkt der Stellung der Feind vorzüglich Bedacht zu nehmen und welcher Punkt durch die Natur schon vollkommen gesichert erscheint, — wo er seine Magazine und Depots hat, — von wo und in welcher Zeit die