Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Über den Gebirsgskrieg (Aus den "Mémoires" des k. k. Kriegs-Archivs) Geschrieben im Jahre 1800 von Generalstabs-Hauptmann (späteren General-Major) Johann Mayer Edler von Heldensfeld

92 Über den Gebirgakrieg. achtet und glaubt ein Feldherr erst hei dem eintretenden unangenehmen Falle eines Ruckzuges in der nächst günstigen Stellung die weiteren Vertheidigungsanstalten und Vorkehrungen treffen zu können, so getraue ich mich, ihm im Voraus zu sagen, dass er auch in seiner neuen Stellung wieder geschlagen und daraus sicher vertrieben wird. Der Grund hiefür liegt in der Raschheit der feindlichen Angriffe, in der Kenntniss des Soldaten und in den vielen Erfahrungen. Die Franzosen versäumen dergleichen Vorsichtsmassregeln nicht, dies beweisen ihre fixirten Linien und Stellungen im Elsass, in Flan­dern etc., sowie die Vorkehrungen in der Schweiz, am Züricher See, am Albis, an der Reuss, bei Bern und Genf. Werden solche Massnahmen ausser Acht gelassen, so sehe ich nach einer erhaltenen Schlappe, wenn man die Truppe nicht durch mehrere aufeinander folgende Schläge zu Grunde richten und ganz auflösen will, kein anderes Mittel, um sie neu beleben und dem Feinde er­neuert entgegenführen zu können, als dass man sie nach dem erlittenen Unglücke dem feindlichen Auge weit entziehe und ihr mehrere Tage Zeit gönne, sich zu sammeln und zu erholen. Wer je nach unglücklichen Affairen Rückzüge mitmachte, der erinnere sich auf den Geist, Muth und Zustand des gemeinen Soldaten und lasse bei seinen Anordnungen als Commandant, diese allgemeine Stimmung nie aus seiner Rechnung — man nehme stets den Menschen wie er wirklich ist, und nicht wie er sein soll, oder wie man ihn haben will — das ist eine alte Regel, um mit Menschen umzugehen und um sie zu irgend einem Zwecke zu benützen. Diese Regel ist auch in unserem Stande bei jeder Unternehmung ganz unentbehrlich. 3. Ein Fehler, der schon manchmal für die Vertheidigung eines Landes sehr schädliche Folgen hatte, ist die nicht genaue Verbindung mit den rechts und links operirenden Truppen. Dieses Versäumniss liegt meistens im Haupt-Operationsplane und ist am gewöhnlichsten bei den Zusammenstossungspuncten verschiedener Armeen oder Corps zu treffen. Die detaillirte Untersuchung dieses Fehlers will ich übergehen, die Ursachen desselben sind oft deutlich in die Augen fallend und jeder, der Menschenkenntniss besitzt, wird sie bald lierausgefunden haben. Wenn daher die Commandanten der benachbarten Truppen nicht im engsten Einverständnisse Zusammenwirken — ausser die Landes­beschaffenheit oder die besonderen Verhältnisse der diesseitigen und feindlichen Stellung machten eine nähere Verbindung nicht nothwendig, -— wenn bei einem feindlichen Angriff die eine Truppen-Abtheilung der anderen nicht zu Hilfe eilt, oder durch Bewegungen dem Feinde Besorgnisse einflösst, oder wenn vielleicht gar zwischen diesen Heeres-

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