Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)

28 Die Belagerung von Wien 1683. Karl von Lothringen hatte bisher die Taborinsel und die Leopold­stadt gegen die Angriffe der Türken behauptet, sah sich aber nun­mehr (16. Juli) genöthigt, unter scharfen Nachhutgefechten, auf das linke Donau-Ufer überzugehen und die Brücken hinter sich abzu­brennen. Der Herzog bezog, um Niederösterreich und Mähren gegen Einfälle der Ungarn und Türken zu schützen, mit seiner Reiterei ein Lager bei Jedlesee. Nach dem Abzüge der kaiserlichen Reiterei setzten sich die Türken sofort in der Taborau fest, erbauten in der Leopoldstadt Batte­rien und begannen die an der Donau (Donaucanal) gelegene Wasser­front zu beschiessem Die Belagerten unternahmen wiederholt Ausfälle, um die Arbeiten der Türken zu stören, konnten aber nicht hindern, dass letztere am 17. bereits bis auf 40 Schritte an die Contrescarpe herankamen und sich am folgenden Tage gegen die Burg- und Löwelbastei ausbreiteten. Am 23. Juli Hessen die Türken vor der Burg- und Löwelbastei je eine Mine springen und unternahmen mehrere Stürme, die aber alle blutig abgewiesen wurden. Am 25. sprang eine Mine vor der Spitze des Burgravelins. Die Janitscharen stürmten unter schrecklichem Geheule dreimal den entstandenen Trichter, doch jedesmal vergebens. Von dieser Zeit an brachte fast jeder Tag neue Stürme auf den be­deckten Weg. Die Geschichte weiset wenige Beispiele einer so hartnäckigen Vertheidigung des bedeckten Weges auf. Jeder Zoll Erde wurde dem Feinde streitig gemacht; nur seine Minen erzwangen von den Bela­gerten zuweilen die Abtretung einiger Schritte. Am 6. August wurde endlich der bedeckte Weg nach einer lötägigen heldenmüthigen Ver­theidigung aufgegeben, worauf sich die Türken sofort daselbst fest­setzten. Ein heftiges Geschützfeuer, durch mehrere Tage fortgesetzt und das Auffliegen neuer Minen kündeten deutlich an, dass das Vor­spiel — der Kampf um die Aussenwerke — vorüber sei und dass der entscheidende Act der Belagerung begonnen habe. In Wien war indessen die Lage bedenklich geworden. Die zahl­reichen Kämpfe hatten bereits viele Opfer gefordert, überdies wurde die Zahl der Kampffähigen durch die herrschende Ruhr schon sehr vermindert. Starhemberg, obgleich von derselben Krankheit befallen und schon zweimal verwundet, entwickelte eine ausserordentliche Energie, um durch Bewaffnung der noch nicht in die Miliz-Compagnien Ein­gereihten die Zahl der Streiter wieder zu ergänzen. Am 12. August wurde durch eine stark geladene Mine die Spitze des Burgravelins eingeworfen und unmittelbar darauf durch zwei Stunden erfolglos gestürmt. Am 16. errichteten die Türken auf der Contrescarpe die erste Breschbatterie.

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