Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)
22 Der dreissigjährige Krieg. Stein. Dürnstein. Krems. Korneubur£. Kreuzenstein. Wien, Wolfsschanze. Wien, Wolfsschanze. später fiel die Stadt Stein und nach drei abgeschlagenen Stürmen auch das feste Schloss Dürnstein in seine Hände. Am 29. März capitulirte Krems nach dreitägiger heftiger Beschiessung, wobei ein Theil der Stadt in Flammen aufging. Dagegen blieben die Bemühungen Torstenson’s, auf dem rechten Donau-Ufer festen Fuss zu fassen, erfolglos. Die Schweden rückten hierauf vor Kor neu bürg, welches sich am 5. April ergab, eroberten noch am selben Tage das Schloss Kreuzenstein (bei Stockerau) und erschienen am 9. April vor der Wolfsschanze, dem Brückenköpfe Wiens, welche sie heftig beschossen und nach dem Abzüge der Besatzung, welche die grosse Donaubrücke hinter sich abbrannte, sofort besetzten. In Wien griffen Bürger, Studenten und Handwerker zu den Waffen und am 12. April traf General Puchheim mit 3 Infanterie- und 3 Cavallerie-Regimenter aus Ungarn ein. Da Rákóczy noch immer tief in Ungarn weilte, gab Torstenson vorläufig den Gedanken, Wien zu belagern, auf, und zog zwischen dem 17. und 20. April nach Mistelbach, um eine gelegenere Zeit abzuwarten. Mittlerweile wurden Dürnstein, Stein, Krems und Korneu- burg von den Schweden stark befestigt und der ganze Verkehr auf der Donau gesperrt; die Wolfsschanze blieb von 300 Schweden besetzt. Um seinen Rücken für die späteren Operationen an der Donau frei zu bekommen, schritt Torstenson, welcher Rákóczy kaum vor einem Monate erwarten konnte, zur Belagerung von Brünn'). Die Wolfsschanze vor Wien wurde nach zweitägiger Beschiessung am 28. Mai durch den kaiserlichen Obersten Reich erstürmt, wobei die Besatzung gefangen wurde. Viertausend schwedische Dragoner unter Wittenberg, zum Entsätze beordert, trafen zu spät ein, und zogen sich zurück. Gleichzeitig (30. Mai) wurde die von 150 Schweden besetzte Kremser Donau-Insel durch FML. Hunoldstein erobert; diese beiden Unternehmungen öffneten den Donauverkehr für die Kaiserlichen. Nach der Aufhebung der Belagerung von Brünn (23. August) rückte Torstenson neuerdings nach Korneuburg, überzeugte sich nochmals von der Unmöglichkeit die Donau zu forciren, verstärkte die Besatzungen von Krems, Korneuburg, Iglau, Olmütz und Nikolsburg und zog Anfangs October mit dem Reste seiner Armee (14.000 Mann) über Iglau und Pardubitz nach Leitmeritz, woselbst überwintert wurde. Feldzug 1646. Als der schwedische General Wittenberg im Sommer die von den kaiserlichen Truppen belagerten festen Plätze in Mähren entsetzte, streiften seine Reiter bis in die Nähe von Wien. ') Vergl, Kriegs-Chronik I. Theil, Seite 38.