Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)

18 Der dreissigjährige Krieg. Feuerbach. Frei stadt. ihr Leben würfeln und thatsächlich siebzehn von ihnen ohne weitere gerichtliche Procedur auf hängen. Dieses grausame Vorgehen des Statt­halters steigerte die Erbitterung der ohnedies religiös aufgeregten Bauern und die wüsten Ausschreitungen der übermüthigen bayerischen Soldaten brachten sie vollends zur Verzweiflung. Der Aufstand brach am 17. Mai 1626 anlässlich eines Rauf­handels zwischen Soldaten und Bauern in Haibach unweit Aschach aus und verbreitete sich hinnen wenigen Tagen über das ganze Haus­ruck-, Inn- und Mühlviertel. Auf die Nachricht hievon zog der Statthalter am 20. Mai mit 1200 Mann und einigen Kanonen von Linz über Grieskirchen und Weizenkirchen gegen Peuerbach, wo sich die Bauern, welche 7000 Mann stark gewesen sein sollen, in einem Walde versammelt hatten. Am folgenden Tage (21. Mai) wurde Herberstorf aus einem Hinterhalte von den Bauern angegriffen und mit Verlust von mehr als der Hälfte seiner Mannschaft und aller Kanonen geschlagen. Dieser Sieg erhöhte den Muth der Bauern; sie wählten zu ihrem Anführer den Stephan Fadinger, einen Mann von scharfem und kühnem Geiste, der ihr volles Vertrauen genoss. Fadinger organisirte vor Allem die ungeordneten Haufen, welche ihm von allen Seiten zuliefen, theilte sie in militärische Einheiten, regelte die Commandoposten und war auf Beschaffung von Waffen und Munition bedacht. Er setzte weiters über jedes Viertel des Landes einen commandirenden Hauptmann, stellte eine „Defensionsordnung“ fest, sperrte die Grenze gegen Bayern und mit eisernen Ketten die Donau bei Neuhaus und Ottensheim ab und umgab sich, indem er Kriegsräthe, Proviantmeister und Feldschreiber ernannte, mit einem förmlichen Stabe. Am 24. Mai besetzten die Bauern bereits Wels. Hier theilten sie ihre Macht; ein Corps wandte sich in’s Traunviertel, nahm Lam­bach, Kremsmünster, Steyr und rückte gegen Enns, während ein zweiter Haufe direct auf Linz marschirte. Enns wurde von dem Bauernführer Wolf Wurm eingeschlossen und vom Eichberge aus bombardirt. Am linken Donau-Ufer sammelten sich die Aufständischen in Ottensheim und besetzten von dort aus die damalige Linzer Vorstadt Urfahr. Dagegen konnte Freistadt im Mühlviertel, von dem Feld- hauptmanne Sokolovsky auf das Tapferste vertheidigt, erst nach dessen Tode und nur durch Verrath von den Rebellen eingenommen werden (1. Juli). Die Stadt wurde ganz ausgeplündert. Mittlerweile suchten der Kaiser, Herzog Maximilian und Graf Herberstorf, sowie die oberösterreichischen Stände mit den Aufstän­dischen zu unterhandeln und sie zum Auseinandergehen zu bewegen; allein die misstrauischen Bauern nahmen sogar die kaiserlichen Beamten gefangen und hielten sie in Steyr fest.

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