Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)
Vorgeschichte. 7 Über die nun erledigten Reichsleben verfügten Kaiser Friedrich II. und Papst Innocenz IV. Um des Kaisers Macht zu schmälern, ermu- thigte der Papst die Könige von Böhmen und Ungarn zur Theilung Österreichs. Ottokar II. von Böhmen üherliess an Béla IV. von Ungarn, für dessen Sohn Stephan, die heutige Steiermark. Als sich aber späterhin der steierische Adel auf Seite Ottokar’s schlug und Béla IV. im Marchfelde, unweit der Marchmündung, am 12. Juli 1260 besiegt ward, gelangte Ottokar auch in den Besitz der Steiermark. Die Macht des Hauses Przemysl erreichte ihren Höhepunkt, als Kärnten, die windische Mark und Antheile von Krain durch Erbschaft an Ottokar fielen. König Rudolf I. von Habsburg forderte auf seinem ersten Reichstage zu Nürnberg im Jahre 1274 alle Lehen an das Reich zurück, welche ihre Besitzer seit dem Jahre 1245 gewechselt hatten. Obwohl König Ottokar II. von Böhmen mit Waffengewalt zu der Verzichtleistung auf seine neu erworbenen Länder gezwungen werden musste, behielt er dennoch Böhmen und Mähren. Als Ottokar den Krieg 1278 erneuerte, fiel er am 26. August in der Entscheidungsschlacht am Weidenbache im Marchfelde. Im Jahre 1283 belehnte Kaiser Rudolf seinen Sohn Albrecht mit Österreich und Steiermark. Tirol war nach dem Aussterben der Grafen von Tirol 1254 an die Grafen von Görz gelangt, welche 1286 auch mit Kärnten belehnt wurden. 1335 starb Herzog Heinrich von Kärnten und ihm folgte in der Regierung seine jüngere Tochter Margaretha Maultasch in Tirol, während Kärnten und Krain in Folge früherer Erbeinigungen an den Herzog Albrecht II. (den Weisen) von Österreich gelangten (1335). In Tirol behauptete sich Margaretha Maultasch gegen die Ansprüche der Häuser Luxemburg und Wittelsbach und setzte, als ihr einziger Sohn, den sie aus zweiter Ehe erhalten, früh aus dem Leben geschieden war, die Habsburger zu Erben Tirols ein. Diese wussten sich in einem Frieden mit Bayern, gegen Zahlung von 116.000 Ducaten und die Abtretung von Kufstein und Kitzbüchl (1369), in dem Besitz von Tirol zu behaupten. Rudolf IV., der Stifter, der Erwerber Tirols, schloss auch mit Kaiser Karl IV. einen Erbvertrag, durch den er die Erwerbung Böhmens durch die Habsburger im Jahre 1437 vorbereitete. Im Jahre 1374 fielen auch die Besitzungen des Grafen von Görz in Krain und der windischen Mark zum grössten Theile an Österreich. Herzog Rudolf IV. Nachfolger, Albrecht III. und Leopold HI., theilten die österreichischen Länder derart, dass Nieder- und Ober-Österreich an Albrecht III. gelangten. Leopold III. erwarb zu den übrigen Ländern ansehnliche Gebiete in Vorderösterreich durch Kauf, und Triest, das sich von Venedig losgesagt hatte, durch freiwillige Unterwerfung. Herzog Albrecht V. (1404 bis 1439) aus der Albertinischen Linie gewann durch Heirat die Anwartschaft auf Ungarn und die übrigen Luxemburgischen Länder. Mit seinem Sohne Ladislaus Posthumus,