Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)

3 n. T h e i 1. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und in den österreichischen Alpenländern. Vorgeschichte. Der Kriegsschauplatz in den österreichischen Alpenländern (und im Donauthale) umfasst das, durch die vielen gegen Ost sich öffnenden Flussthäler charakterisirte Gebiet zwischen der nördlichen Adria und den Grenzen Böhmens und Mährens, dann zwischen der Westgrenze der Monarchie und den beiden ungarischen Tiefebenen. Das Donau­thal und andere, die Hauptrichtung von Ost gegen West verfolgende Einsenkungen bildeten seit den ältesten Zeiten die Strassen für Völker- und Heereszüge von der unteren Donau nach dem mittleren Rhein und umgekehrt, während gangbare Pässe in den parallel streichenden Ketten der Ostalpen das Durchbrechen bewaffneter Massen von der mittleren Donau gegen die Po-Ebene und das adriatische Meer ge­statteten. Die eigenthümliche oro-hydrographische Gliederung der österreichischen Alpenländer hatte zur natürlichen Folge, dass ihr Gebiet, mehr als irgend ein anderes in Central-Europa, der Tummel­platz der verschiedenartigsten Völkerschaften geworden ist. Die Geschichte der österreichischen Alpenländer ist, bis zu dem Zeitpunkte, in welchem die Bewohner derselben mit den Römern in Verbindung treten, in Dunkel gehüllt. Bei dem Erscheinen der Römer an der Ostküste der Adria, im Jahre 228 v. Chr., war das Ost-Alpenland von dem arischen Volke der Kelten besetzt; das Küstenland und Pannonien bewohnten die West-Illyrier, ein Zweig der thrakischen Völkerfamilie. Im Jahre 114 v. Chr. bedrohte das germanische Volk der Cimbern und Teutonen die Keltenstämme in ihrer Existenz; der Versuch der diesen verbündeten Römer, die Germanen bei Noreia (wahrscheinlich das heutige Neumarkt in Steiermark) aufzuhalten, endete zwar mit der Vernichtung des römischen Heeres in dieser ersten historischen Schlacht auf österreichischem Boden (113 v. Chr.), wandte jedoch vorläufig die Gefahr für die Kelten ab, da sich die Germanen nach Gallien zogen. Das feindselige Verhalten der illyrischen Völker gegen die Römer gab Cäsar Octavianus den Anlass, die Unterwerfung der Donau- Provinzen anzubahnen. 1

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