Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
Die Vorgänge in Ober-Ungarn unrl an der Theiss. 109 Thüngen einen Streifzug gegen Szigetvár, wobei es ihm gelang, die dortige „Vorstadt mit sambt deme darinnen gewesenen viellen proviand totaliter abzubrennen“ *). Die Vorgänge in Ober-Ungarn und an der Tlieiss. Der Abzug der kaiserlichen Regimenter nach dem Sammelplätze Párkány verschaffte der Besatzung von Munkács Luft und die Möglichkeit, weitausgreifende Streifzüge, welche häufig der gewandte Parteigänger Madács befehligte, auszuführen. Militärische Bedeutung hatten diese Unternehmungen allerdings nicht, ebensowenig wie die fruchtlosen, meist mit grosser Schwerfälligkeit in das Werk gesetzten Versuche der türkischen Garnison von Grosswardein, sich des Platzes Szent-Job wieder zu bemächtigen, aber die Bewohner litten in den ohnehin verarmten Comitaten ausserordentlich. Wenn, ungeachtet der eingetretenen Schwäche der kaiserlichen Truppen, im östlichen Ungarn der frühere Besitzstand erhalten blieb, gebührte das Verdienst vor Allem dem bewährten, raschen und unermüdlichen GFWM. Heissler, der während Caraffa’s Erkrankung das Commando führte, und den deutschen und ungarischen Garnisonen, welche die ihnen anvertrauten, theilweise baufälligen und mangelhaft armirten Plätze nicht allein mit Zähigkeit behaupteten, sondern auch, — wie die Besatzungen von Szathmár, Kálló und Szent-Jób, — gelungene Gegenstösse ausführten. Als der Feldmarschall-Lieutenant Caraffa von seiner Krankheit genesen war (Mitte Juni), liess er bei Polgár eine Schiffbrücke über die Theiss schlagen, um sich, je nach der eintretenden Nothwendig- keit, gegen Munkács oder Erlau wenden zu können. Der Pascha von Erlau hatte das Gerücht verbreiten lassen, dass er demnächst mit allen seinen Truppen eine Streifung bis gegen Pest unternehmen werde. Da dieser Nachricht Glauben geschenkt werden durfte, ritten Caraffa und Heissler auf Recognoscirung aus, fanden aber in der Gegend von Erlau Alles ruhig und die dortige Besatzung complet. General Heissler legte nun einen Theil seiner Truppen in einen Hinterhalt und demonstrirte mit dem Reste bis unter die Geschütze der Festung. — In der Meinung, die unvorsichtigen Gegner mit leichter Mühe vernichten zu können, fiel der Pascha mit 1000 Mann auf sie aus. Die Kaiserlichen flüchteten, ohne Widerstand zu leisten, gegen ihren Hinterhalt und lockten die mit gewohntem Ungestüm nachstiirzenden Türken in die gelegte Falle. Die Feinde wurden umzingelt und verloren in einem kurzen Gefechte mehr als 200 Todte, darunter den wegen seiner Tapferkeit und Kriegserfahrung bei dem Grossvezir in hohem Ansehen *) Bericht ddo. Fünfkirchen, 21. December 1686. — Registratur des k. k. Reichs- Kriegsministerinms.