Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
Die Einnahme von Simonytornya, Fünfkirchen, Siklós und Kaposvár. J07 Drau jedoch noch nicht überschreiten können, da dieselbe in Folge anhaltender Regengüsse hoch angeschwollen und sogar die Schiffbrücke unpraktikabel geworden war. Ludwig von Baden musste das Fallen des Hochwassers abwarten und liess sodann die Truppen Scherffen- berg’s in Kähnen nach dem linken Ufer befördern, welcher Vorgang so viele Zeit erforderte, dass sich die Vereinigung der beiden Corps bis zum 14. October verzögerte. Die Armee brach nun, um sich den Nachschub aus Innerösterreich zu erleichtern, längs der Drau, in der Richtung gegen Fünfkirchen auf. Der Marsch ging ununterbrochen durch sumpfiges, verödetes Land, in welchem, ungeachtet der Nähe des Flusses, die Verpflegung um so schwerer beizustellen war, als es sogar an Wagen und Bespannungen fehlte. „Das Argeste,“ so berichtet der Markgraf an den Kaiser, „ist aber, dass das Landt an der Drave weit und breidt so Sumpfig, dass wan ein Regenwetter einfallet, die Sürnpff dermassen anlauffen, dass man fast nirgends zum Fluss kann, und solcher Zeit weegen grundlosen weegs, undt vilién morast, an drey hungarisehen Meillen wohl Fiinff oder Sechs Tage zubringen müsste. Von dem Lande ist nichts zu erholen, dessen constitution so schlecht und alles von den Croaten undt Gränizern, vielleicht auch Tartarn dermassen verwüst, und ruinirt, dass ich Ewer Kayl. Mayt. nicht genugsam Beschreiben kann. Es mögen wohl in der Landt- karten, und vor Zeiten vili dörffer hier gewessen sein, Ich aber kann unterthänigst versichern, dass Ich noch dato fast kein einziges ausser heute ettliche mit hohen Grass überwachssene Brandtstätten angetroflen. Sollte aber weiter hinein villeicht ein oder anderes Bewohntes orth gefunden werden, will Ich solches auff alle weiss zu conserviren Bedacht sein“ '). — Am 16. October erschien das Corps vor Fünfkirchen, das, damals mit einem Graben und einer schwachen Mauer umgeben, hauptsächlich durch das starke, in der nordwestlichen Umfassung situirte Schloss eine nicht geringe militärische Bedeutung besass. Als der Markgraf sofort mit seiner Escorte zur Recognoscirung des Platzes vorritt, warf sich der Pascha von Anatolien, welcher in Fünfkirchen das Commando führte, in das feste Castell und steckte die minder haltbare Stadt an verschiedenen Stellen in Brand. Um deren Zerstörung zu verhindern, liess der Markgraf die zunächst disponiblen Truppen durch ein schwach besetztes Thor in die Stadt eindringen, sich darin nothdürftig verbauen und dann die Löscharbeiten beginnen. Diese wurden mit so viel Umsicht und Fleiss ausgeführt, dass der grösste Theil der Stadt erhalten blieb. - - Am 17. October eröffneten die Kaiserlichen sowohl inner- als ausserhalb der Stadt die Laufgräben gegen das Schloss und begannen den Bau einer Batterie, die schon am nächsten Tage mit fünf Geschützen zu spielen begann. In der *) *) Bericht ddo. Gerencse, 15. October 1686. — K. k. Kriegs-Archiv.