Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

*) Der tapfere General erlag am 5. October 1686 zu Wien seinen Verletzungen. sie abermals von den vollen Salven der dort aufgestellten Infanterie begrüsst wurden. Einzelne Türken versuchten mit den von ihnen mitgeschleppten Sturmleitern die Mauer der unteren Stadt zu über­steigen, fielen aber durch die Hände der hinter dieser aufgestellten Heiducken. Der Rest der Feinde eilte gegen die grosse Batterie der Kaiserlichen, in deren Nähe sie auf acht Escadronen Bereitschaft, welche der Obrist Graf Gronsfeld commandirte, und die vom FML. Mercy, GFWM. Heissler und Obrist Saurau geführten Regimenter Mercy und Saurau stiessen. Von diesen Truppen auf das Heftigste attakirt, flohen die Gegner, die in dem kurzen Kampfe mit der Reiterei 200 Mann verloren hatten, gegen die Berge zurück, wo Unterstützungen ihrer warteten. Während der Verfolgung wurde der FML. Mercy von einem, angeblich schon aus mehreren Wunden blutenden Janitscharen „sein- stark über den Kopf und Achsel gehauet“ *) und sein Adjutant getödtet. Eine andere, feindliche Abtheilung gelangte in das Thal St. Paul, sprengte zuerst gegen die dortige Redoute an, wurde aber durch das Salvenfeuer der darin befindlichen Infanterie abgewiesen und suchte hierauf das Werk ausser Schussbereich zu umgehen. Hiebei kam ihnen der Graf Franz PálfFy, Obristlieutenant im Regi­mente Pálffy, der während der Nacht mit fünf Escadronen am jensei­tigen Abhange des Schwabenberges in Bereitschaft gestanden, ent­gegen, ging sogleich zur Attaké über und warf die Türken in Unordnung zurück. Ein Theil der in Verwirrung gerathenen, überall auf Gegner stossenden Feinde sprengte gegen die bayerische Reiterwache und wurde von dieser bis auf einen Gefangenen niedergehauen. Der andere, grössere Theil, warf sich auf den, mit geringem Gefolge heranreitenden Herzog von Lothringen, an dessen Seite der Chevalier de Lamolle, sein Stallmeister, erchossen wurde. Der Generalissimus befand sich durch einige Zeit in der höchsten Gefahx-, bis ihn eine der brandenburgischen Escadronen, die der General-Lieutenant Schöning persönlich zur Attaké führte, aufnahm. Schöning, der die Türken in der Flanke fasste, warf sie im ersten Anprallen vollends über den Haufen; die Mehrzahl der Feinde erlag unter den Streichen der brandenburgischen Reiter und nur einzelne Versprengte suchten sich nach den Zelten des Hauptquartiers zu retten, in welchen sie von den Trossknechten wie wilde Thiere umher gehetzt und endlich nieder geschossen wurden. Von dem türkischen Succurse war nicht ein Mann in die Festung gelangt; weit über 400 Feinde waren gefallen, der Rest hatte sich in der Richtung gegen Zsambék geflüchtet. Wäh­rend des für die Türken so unglücklichen Kampfes erschien der Grossvezir mit seiner Armee vor dem bayerischen Lager, gab auf dieses einige Kanonenschüsse ab und blieb dann — seiner Gewöhn-

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