Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
IS. August. 10. August. schleuderten und die türkische Galerie vollends zerstörten. — Die Bayern versuchten, im Schlosse ein neues Logement zu gewinnen, wurden aber zurückgeschlagen und erlitten hiebei ziemlich bedeutende Verluste. In der Nacht vom 17. auf den 18. August wurde wieder ein Versuch unternommen, die Palissaden des Gegners wegzubrennen. Dieser misslang durch die Ungeschicklichkeit der dazu bestimmten Leute vollständig und kostete den Angreifern vier Soldaten. — Sehr vorteilhaft erwies sich die Armirung einer Redoute der Communi- cations-Linie mit 2 ganzen und 2 halben Kartaunen, welche das Re- tranchement des Gegners mit dem besten Erfolge in der Flanke beschiessen konnten. Dagegen hatten die zwei Minen, die der Herzog gegen Mittag zünden liess, fast gar keine Wirkung, weshalb die zum Sturme bereits erteilten Dispositionen widerrufen werden mussten. Die nach den Approchen commandirte Infanterie wurde aber in diesen zurück behalten, da der Generalissimus den Versuch wagen wollte, sich in der nächsten Nacht an den Palissaden des Gegners zu logiren. —• Von einem Überläufer wurde mitgetheilt, dass der Grossvezir jedem Soldaten, der sich einen Weg in die Festung Ofen bahnen würde, ein Handgeld von 30 Thalern und einen lebenslänglichen Extrasold versprochen habe. Auf diese Verheissungen hin, sollten sich 2000 Janit- scharen freiwillig erboten haben, in die Festung durchzubrechen. Auch liefen die Nachrichten ein, dass die Entsatzarmee eine Verstärkung von 6000 Mann an sich gezogen habe und eine starke Abteilung Tataren in Temesvár eingetroffen sei. Aus Anlass der letzteren Meldung wurden Barkóczy und Petneházy, welche die nach Pest detachirten Truppen commandirten, angewiesen, ihre Wachsamkeit und Aufmerksamkeit zu verdoppeln. Die Logirung an den Palissaden des Gegners wurde in der nächsten Nacht (auf den 19. August) versucht, scheiterte aber an dem heftigen Feuer der Verteidiger, das den Angreifern in kurzer Zeit einen Verlust von 30 Mann zufügte. — Die neue Batterie in der Redoute der Communications-Linie hatte das Retranchement des Feindes so übel zugerichtet, dass dieser 7 seiner schwersten Kanonen aufführte, um die 4 Batterie-Geschütze der Kaiserlichen zum Schweigen zu bringen. Da tatsächlich eine Kartaune demontirt wurde, begannen die Belagerer mit dem Baue einer neuen Batterie, die so günstig situirt war, dass sie einen Tlieil des von den Türken hergestellten Abschnittes, sogar von rückwärts, unter ihr Feuer nehmen konnte. — Die Bayern erbauten rechts vom zerstörten Schlossrundell eine neue Batterie, welche sie mit den erbeuteten türkischen Geschützen zu armiren beabsichtigten. Gleichzeitig lioss der Churfürst vor dem eroberten Rundeil einen 18 Fuss tiefen Schacht abteufen, um etwa vorhandene Minen des Feindes aufzusuchen. — Ein kaiserlicher Soldat, der sich aus der Gefangenschaft des Grossvezirs zu befreien Die Eroberung von Ofen. 6