Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
■ 28. Juli. Bornstedt und Major Ölsnitz waren gefallen, der Prinz von Kurland, librist Belling, Major Graf Dohna und Hauptmann Natzmer verwundet worden. — Die Demonstration, welche die 1500 Heiducken auf der Wasserseite unternahmen, brachte nur wenig Nutzen. Die National- Truppen gingen zwar bis an die von den Türken im vergangenen Jahre neu erbaute Mauer vor, liefen aber, da sie hier auf Widerstand stiessen, sogleich wieder zurück, ohne sich in einen ernstlichen Kampf eingelassen zu haben. — Auf der Seite des bayerischen Angriffes wurden die Trümmer des Schlossrundells von den Stürmenden in einem kurzen, aber überaus blutigen Kampfe, in dem sich die Sachsen ganz besonders hervortliaten, erstiegen. Während der Markgraf Ludwig von Baden hier sogleich ein Logement errichten liess, liefen die durch den Erfolg noch mehr angeeiferten Soldaten gegen das untere Schlossthor an, bemächtigten sich desselben und sprangen in ihrem, jedes Widerstandes spottenden Ungestüm sogar durch die Schiessscharten in den Zwinger, in welchem sie 8 Kanonen und 2 Mörser eroberten und sogleich gegen den anderen Theil des Schlosses richteten. Da aber der Zwinger vom Feinde eingesehen und unter Feuer genommen werden konnte, die Türken ihre Bomben einfach unter die Angreifer rollten oder ihre gefürchteten Pulversäcke unter sie warfen und ausserdem schon die Dunkelheit anbrach, liess der Churfürst den Zwinger wieder räumen, was um so eher geschehen durfte, als die Bresche, das Rundeil und der zum Zwinger führende Theil des Schlosses in seinem Besitze blieben. Die Verluste der Bayern waren im Verhältnisse jenen der Kaiserlichen gleich und dürften gegen 700 Mann, unter denen sich viele Officiere befanden, betragen babén. Von den bayerischen Truppen waren der Obristlieutenant Beck, die Obristwachtmeister Croysil und Cramer, der Hauptmann Polisson und der Capitän-Lieutenant Schinderer gefallen. Die Sachsen hatten den Obristlieutenant Carlowitz verloren und den Obristlieutenant Rochow tödt- lich, den Obristwachtmeister Rebel schwer verwundet. Von den zuge- theilten kaiserlichen Generalen waren der FML. La Verne und der GFWM. Graf Aspremont leicht blessirt worden. Der Brand auf der Bresche dauerte die ganze Nacht und einen grossen Theil des folgenden Tages (28. Juli) fort und brachte noch immer Pulversäcke, eingegrabene Bomben und Granaten zur Explosion. Die Kaiserlichen sahen sich schliesslich genöthigt, die Palissaden und Faschinen, mit denen sie sich hatten verbauen wollen, ganz zu beseitigen und sich aus Sandsäcken eine neue Brustwehr zu errichten. — Obwohl der Herzog von Lothringen von der Kunst seiner Mineurs nur zweifelhafte Proben erhalten hatte und sich derselben gar nicht mehr bedienen wollte, gab er dennoch, um den Graben zwischen der ersten und zweiten Mauer rascher auszufüllen, den Befehl, dass an drei Stellen der zweiten Enceinte mit Minen angesetzt