Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

vom Regimente Croy und Galbey vom Regimente Salm. Hinter diesen Abtheilungen standen 100 Schanzzeugträger unter dem Lieutenant Kraus vom .Regimente Mansfeld, der die Weisung hatte, erst dann vorzurücken, wenn die Angreifer sich des Rundells bemeistert hätten. Gegen die Courtine rückten aus der ersten Parallele successive vor: 50 Grenadiere unter dem Hauptmann Frühwirth vom Regimente Neu­burg, 100 Heiducken unter dem Hauptmann Runkel vom Regimente Souches, 100 Füsiliere unter dem Hauptmann Johann Wolff vom Regimente Diependael und 100 Mann mit Sprungstöcken, Sensen und Morgensternen, die der Hauptmann Pfedt vom Regimente Thüngen führte. Zur Unterstützung folgten 200 Mann unter dem Marchese Lunati und einem fränkischen Hauptmann und diesen wieder 150 Schanz­zeugträger unter dem Hauptmann Baron Gera vom Regimente Starhem­berg. Als Hauptreserve standen 1000 Mann in Bereitschaft, die der GFWM. Thüngen, der fränkische Obrist Köth, dann die Obi’istlieute- nants Graf Archinto vom Regimente Lothringen und Graf Truchsess vom Regimente Thüngen commandirten. Diese Hauptreserve sollte in demselben Verhältnisse nachrücken, in welchem die vorderen Abthei­lungen Boden gewinnen würden. Gleichzeitig hatten auserlesene Schützen, die das Gewehr im Anschläge hielten und auf jeden Türken, der sich blicken liess, Feuer gaben, die zweite Parallele besetzt.— Mit bewunderungswürdiger Bravour eilten die Kaiserlichen gegen die Bresche vor, von welcher sie ein Regen von Kugeln, Granaten, Pfeilen und Steinen empfing. Schon hatten die ersten Abtheilungen den Wall­bruch erstiegen, zu dessen Vertheidigung sogar türkische Weiber und Kinder herbeigeeilt waren, als sich der Boden öffnete und eine Mine einen Theil der Tapferen in die Luft riss, den anderen die steile Bresche wieder hinabschleuderte. Der Herzog von Lothringen stellte sich jetzt selbst mit entblösstem Degen an die Spitze der abermals vordringenden Schaaren und eiferte, ohne auf das feindliche Feuer oder die unaufhörlich springenden Minen zu achten, zum neuen An­laufen an. Begeistert durch die Nähe und den Zuruf des Oberfeld­herrn, der sich ohne anderen Schutz als den einer Sturmhaube unter die vordersten Reihen der Angreifer gedrängt hatte, stürmten die Kaiser­lichen ein zweites-, ein drittes- und viertesmal gegen die Bresche an, um sich endlich in einem beispiellosen, wüthenden Handgemenge auf der­selben zu behaupten. — Noch heute muss der denkwürdige 27. Juli 1686 als ein Ehrentag unserer Armee angesehen werden. Zahlreiche Sol­daten wurden durch auffliegende Minen von der Bresche geworfen, rafften sich jedoch gleich wieder auf und kletterten, noch halbbetäubt von dem Sturze, abermals empor, um sich in das Gemetzel zu stürzen. Die Generale und Officiere wetteiferten mit den braven Soldaten. Feldmarschall Starhemberg focht unter den Leuten seines eigenen Regiments und der Feldmarschall Caprara war mit dem

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