Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
62 Eie Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. •26. Juli. theils aus Nationaltruppen *) bestehenden Posten und schlugen sich mit diesem ohne Entscheidung herum, bis auch hier die Reserven vorgingen, und, unterstützt von den eifrig arbeitenden Geschützen, die Feinde vertrieben. Die Kaiserlichen hatten im Ganzen ungefähr 150 Mann, die Türken kaum weniger verloren. Unter den Verwundeten befanden sich der Obristlieutenant d’Asti und der tödtlich getroffene Adjutant des Feldmarschalls Starhemberg. — Auf der Seite der Bayern war in den letzten Tagen das Geschütz gegen das Schloss- rundell mit so gutem Erfolge gebraucht worden, dass dieses zusammenstürzte und einen ansehnlichen Theil des Grabens mit seinen Trümmern ausfüllte. Die in der Vertheidigung fester Plätze geradezu unübertrefflichen Türken hatten aber den Wallbruch, noch ehe er entstanden war, bereits mit kreuzweise gesetzten Palissaden und starken Balken verbaut. Am 26. Juli Hess der Herzog alle Vorkehrungen für den Generalsturm treffen, der mit Anbruch des nächsten Tages erfolgen sollte. In der vordersten Parallele wurden die nothwendigen Ausgänge hergestellt, gleichzeitig aber an der Batterie und an einer, zu der bayerischen Attaké führenden Communicationslinie weiter gearbeitet. Gegen Abend rückten ausser den 1000 Mann, welche gewöhnlich die Approchen besetzt hielten, noch andere 2000 Mann in die Laufgräben ein und die bei Pest stehenden fünf Cavallerie-Regimenter wurden auf das rechte Ufer gezogen, um der Infanterie als Unterstützung zu dienen. Die Soldaten in den Tranchéen wurden diesmal nicht abgelöst und der Herzog, obwohl noch immer leidend, brachte selbst die Nacht unter ihnen zu. Beim Eintritte der Dunkelheit wurden die von dem Franciscaner Gabriel verfertigten Pechfaschinen an den Palissaden befestigt und angezündet. Da der Wind aber aus einer ungünstigen Richtung wehte, brannten die Palissaden nur theilweise nieder, während die Soldaten in den Laufgräben durch Rauch und Hitze sehr belästigt wurden. — Der Churfürst von Bayern traf ähnliche Anstalten. Er Hess 40 auserlesene Soldaten zu den Palissaden emporsteigen, welche die Verpfählungen mit Brandzeug zu umwickeln, anzuzünden und, sobald sie durchgebrannt waren, mit Haken und Stangen auseinander zu zerren hatten. Um die zum Löschen herbeieilenden Türken zu vertreiben, wurden die beiden Cavaliere mit 60 erprobten Schützen besetzt. Da die Windrichtung den Bayern günstig war, brannten die Palissaden in kurzer Zeit bis auf den Grund nieder. — Während der Nacht Hess der Churfürst noch zwei Grabenniedergänge hersteilen, deren jeder von 10 Mann in Front passirt werden konnte. Vor Tages*) Am vergangenen Tage (24.) war ein ansehnliches Corps Nationaltruppen unter dem „Vicegeneral“ Johann Eszterházy in das Lager eingerückt. Der Herzog hatte dieses Corps anfänglich gegen Stuhlweissenburg detaehiren wollen, änderte aber seinen Entschluss und behielt es vorläufig bei sich.