Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
48 ni° Eroberung you Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 11380. 10. Juli. nicht Zeit fanden, die Arbeiten der Belagerer zu ruiniren. Unter den Opfern des Tages befanden sich ein Obristlieutenant der schwäbischen Kreistruppen, ein Hauptmann des Regiments Mansfeld und zwei Lieutenants, dann der brandenburg’sche Hauptmann Wobeser und Lieutenant Borsdorff. Unmittelbar nach Zurückweisung der Ausfallstruppen begannen die Kaiserlichen ihre Mineurs aufzusuchen, wobei sich fand, dass nur einer derselben den Tod gefunden und die Minen weit weniger Schaden gelitten hatten, als anfänglich befürchtet worden war. — Da der General-Lieutenant von Schöning die Verwirrung, in welche sich seine Truppen hatten bringen lassen, dem Umstande beimass, dass zur Zeit des Ausfalles sich kein höherer Officier in den Tranchéen befunden hatte, sandte er noch an demselben Tage den Obristen Belling und den Prinzen von Kurland dahin und ordnete an, dass sich hinfort immer zwei Officiere höheren Ranges in den Laufgräben aufhalten müssten. — Die Kaiserlichen wurden am 9. Juli noch von einem zweiten Unfälle betroffen, indem ihnen ein heftiger Sturmwind die Brücke unweit von Alt-Ofen zerriss und mehrere Pontons beschädigte. — Die Bayern hatten bisher mit der Schaufel weit mehr geleistet, als mit dem Feuer ihrer Geschütze. In der Erkenntniss des bereits eingetretenen Missverhältnisses Hess der Markgraf Ludwig von Baden, welcher über Auftrag des Churfürsten den Angriff zu leiten hatte, das Approchiren einstellen, dafür aber die Werke befestigen und vervollständigen und eine grössere Anzahl von Geschützen in Tliätigkeit setzen. Bis zum 10. Juli hatten die Kaiserlichen auf dem linken Flügel ihrer Approchen eine neue Bresch-Batterie und im Centrum eine Mörser- Batterie vollendet, konnten sie aber vorläufig noch nicht armiren, da wiederholte Regengüsse den Boden durchweicht und schlüpfrig gemacht hatten. Auch die Brandenburger arbeiteten mit Eifer an der Herstellung einer Batterie, welche die Verbauungen des Feindes auf der Bresche enfiliren und die Palissaden reihenweise niederwerfen sollte. — Die Bayern erbauten zwischen den beiden letzten Parallelen zwei Cavaliere, die von je 30 auserlesenen Schützen besetzt wurden. Diese hatten auf jeden Gegner, der sich bei der nun allmälig bildenden Bresche erblicken liess^ Feuer zu geben. — Der FML. Mercy hatte von Johann Nagy in Szegedin ein'Schreiben empfangen, welches die Nachricht enthielt, dass die Türken daselbst eine Brücke geschlagen hätten und im Begriffe wären, ein Corps von 8000 bis 10.000 Mann zu versammeln. Um Pest und die ausgesendeten Fouragirungs-Abthei- lungen zu sichern, beschloss der Herzog von Lothringen 3000 Reiter und sechs Bataillone, die von den verbündeten Truppen gemeinschaftlich beigestellt werden 'sollten, unter dem General Mercy nach dem linken Stromufer zu detachiren. Die 500 Cavalleristen, welche der Churfürst von Bayern an dieses Detachement abzugeben hatte, wurden den Befehlen des Prinzen Eugen von Savoyen unterstellt.