Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

... 46 Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. 6. Juli. t 7. Juli. ; Lager zurückgelassen hatte, gegen Stuhlweissenburg ab, um sich dort mit der übrigen Reiterei zu vereinigen. Am 6. Juli wurden die Spitzen der kaiserlichen und branden- burg’schen Approchen durch eine Communicationslinie in Verbindung gesetzt. An diesem Tage war der Verlust auf Seite der Kaiserlichen etwas grösser und betrug 10 Mann, unter welchen sich der Obrist­lieutenant des Regimentes Souches, der tödtlich verwundet worden, befand. Es hatte sich nämlich der Unfall ereignet, dass ein berstendes Geschütz das in der Nähe befindliche Pulverfass entzündete, wodurch 2 Artilleristen und 4 Bedienungssoldaten den Tod fanden und ausser­dem die Batterie in Brand gerieth. — Die Brandenburger, welche sich bei allen Anlässen durch besondere Bravour hervorthaten, verloren 16 Mann, darunter einen Hauptmann. — Die Bayern setzten ihre Approchen bis auf 25 Schritte von den Palissaden des Grabens fort, büssten aber bei dieser gefährlichen und mühevollen Arbeit 15 Mann ein. Mit Tagesanbruch begannen aus der Redoute auf dem Spiessberge 10 Halbkartaunen mit sichtbar gutem Erfolge gegen das Schloss zu feuern. Da die Angriffsarbeiten auf der Südseite schon so weit vor­geschritten waren, dass sich Belagerer und Vertheidiger mit Hand­granaten bewerfen konnten, dabei aber, weil die Wirkung der bisher in Thätigkeit gesetzten Batterien ziemlich weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben war, sieh von einer Bresche noch keine Spur zeigte, berief der Churfürst zur Berathung der weiter zu ergreifenden Mass- regeln alle seine Generale zu einem Kriegsrathe zusammen. Ein türkischer Deserteur hatte dem Herzoge von Lothringen die Waffenplätze und Minen des Feindes verrathen, weshalb zur Auf­suchung der letzteren einige Mineurs unter die Erde gingen (7. Juli). Die Verluste des Tages waren bei den Kaiserlichen und auch bei den Brandenburgern sehr gering. — Wichtigeres fiel dagegen auf der Süd­seite vor. Die Bayern errichteten zwischen ihren zuletzt vorgetriebenen Approchen eine Schanze, aus welcher Mineurs in zwei verschiedenen Richtungen gegen das Glacis vorgingen, um dieses nebst den Palissaden in den Graben zu werfen. Das Feuer der Redoute auf dem Spiess­berge war den Türken so lästig geworden, dass sie 14 ihrer schwersten Geschütze gegen dieselbe richteten. Diese feindliche Batterie brachte, im Vereine mit den Kanonen des Rundells bei dem Stuhlweissenburger Thore, die Redoute zum Schweigen und die Bayern sahen sich ge­zwungen, ihre theilweise demontirten Stücke daraus abzuführen. Dafür armirten die Belagerer eine, in gleicher Höhe mit dem grossen Schloss­rundeil errichtete, verdeckte Batterie mit 15 Kanonen. Der Verlust auf der Seite des bayerischen Angriffes war beträchtlich, da, zumeist durch die Handgranaten der Türken, zwei Ingenieure und mehr als 30 Soldaten verwundet oder getödtet wurden.

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