Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. 249 kam, da er während seiner Reise verschiedene kaisei'liche Plätze besich­tigt hatte, erst nach der Mitte des Monats October vor Kaschau an. Die erwähnten Gelder hatten die Bestimmung, dem Corps in Ober- Ungarn, das durch unaufhörliche Strapazen sehr herabgekommen war, „wasmassen aufzuhelfen“, hauptsächlich aber die ohnehin in Auflösung begriffene Partei Thököly’s rascher zur „devotion gegen den Kaiser zu bringen“ *). Die Stadt Kaschau, nächst Munkács der wichtigste Stützpunkt Thököly’s in Ober-Ungarn, war ausreichend armirt und proviantirt. Obwohl die Bürgerschaft erst kürzlich dem Grafen Thököly neuerlich gehuldigt hatte, zeigte sie sich weit weniger kampflustig, als jene von Eperies und sogar zu Unterhandlungen mit Caprara geneigt, welche letzteren aber vorläufig durch die zum äussersten Widerstande ent­schlossene Besatzung (2000 Mann) unter Peter Faigel verhindert wurden. Die kaiserliche Armee vor Kaschau litt fast unaufhörlichen Mangel an Lebensmitteln und Fourage und befand sich auch sonst keineswegs in günstigen Verhältnissen. Die Belagerungs-Geschütze mussten aus theilweise weit entfernten festen Plätzen und unter starken Escorten herbeigeführt werden und die vorgerückte Jahreszeit machte das Lagern unter Zelten misslich und liess die Bezwingung von Kaschau in diesem Jahre bereits als sehr fraglich erscheinen, obwohl in allen zeitgenössischen Berichten der Herbst 1685 zwar als kühl, dafür aber andauernd heiter und trocken geschildert wird. Über­triebene Hoffnungen wurden ausserdem durch einen heftigen Zwist herabgestimmt, welcher zwischen Caprara und Schulz ausgebrochen war und der den Officieren und Soldaten nicht verborgen blieb. Die Beschiessung von Kaschau hatte noch gar nicht begonnen, als der Feldmarschall bereits an den Hofkriegsrath die Anzeige erstattete, dass Schulz ihm „nicht pariere“; Letzterer hingegen die Bitte stellte, wegen vorgerückten Alters sein ehemaliges Commando in Schlesien übernehmen zu dürfen 2). Feldmarschall Caprara liess die Laufgräben und die eigentliche Belagerung von Kaschau am 17. October eröffnen. Am folgenden Tage wurden bereits die Geschütze in die erbaute Batterie eingeführt, was aber, da die Vertheidiger ein continuirliches, wirkungsvolles Feuer unterhielten, nur unter schweren Opfern geschehen konnte 3). Unter den an diesem blutigen Tage Gefallenen befand sich der neu er­nannte GFWM. Georg Friedrich Prinz von Württemberg, welcher, erst 28 Jahre alt, in der Batterie durch eine Stückkugel getödtet wurde. Am * 2 3 *) K. k. Hofkammer-ArcMv, 2) Registratur des Reichs-Kriegsministeriums. 3) Journaux des campagnes etc. — Staats-Archiv.

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