Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. 243 Belgrad, während die Infanterie unter dem Pascha Ton Pozega nach der Stadt und von hier in das Schloss zurückwich. Die Palanka ward von den Siegern im ersten Anlaufe erstürmt und in dieser, sowie in der Stadt, ein reicher Vorrath von Proviant und Fourage erbeutet. ,,Alles hat uns, und unseren Pferden sehr wohl bekommen, in deine wir seithero Legradt nicht vil zum beissen gehabt, und alleweil marchirt, alss wann wir durch die Desert ad Arabiae gegangen wären ').“ Die Feinde hatten die im Flussbette verankerten 16 Brückenschiffe losgemacht und die Drau hinabtreiben lassen. Noch stand aber die, mit diesen Brückenschiffen die Verbindung herstellende, riesige Jochbrücke, „dergleichen wenig in der Welt zu sehen. Auf dieser Seiten der Trag (Drau) seint 1100 und etliche Schritt, jenerseits aber auf die 8000, alles von Aichenen Holz gebaut und belegt; Die Brucken ist auff die 12 grosse Schritt breit, also dass drey Türkhische Wagen, welche breiter alss die unserigen sein, zugleich fahren können; auff beeden Seiten aber seint schöne aussgehaute Geläntter“ *). — Graf Leslie liess am 14. August 13 Schiffmühlen verbrennen und besichtigte hierauf die grosse Jochbrücke, deren Zerstörung der eigentliche Zweck seiner Expedition war. Leider fehlte es ihm an Fahrzeugen zur Passirung der Drau und als endlich einige Schiffe herbeigebracht wurden, waren diese so klein, dass 16 Dragoner des Regiments Herbeville, die sich mit einigen Croaten freiwillig zur Verbrennung des Brückentheils am jenseitigen (linken) Drau-Ufer angeboten hatten, während der Überfahrt in das Wasser stürzten und nur mit Mühe gerettet werden konnten. Die Brücke diesseits der Drau wurde aber in wenigen Stunden vollständig niedergebrannt. Da sich bei den Officieren und Soldaten des Expeditions-Corps die Meinung gebildet hatte, es seien die Werthsachen und Geldvor- räthe des Paschas und der Bewohner von Essegg nach dem Schlosse in Sicherheit gebracht worden, suchten mehrere höhere Officiere beim Feldmarschall um die Erlaubniss nach, einen Handstreich auf das Castell unternehmen zu dürfen. Leslie hielt dieses Beginnen, zu dem es an schwerem Geschütze fehlte, für erfolglos und gab ungern und erst auf wiederholtes Andringen der Officiere seine Einwilligung. Die Truppen stürmten gegen die beiden Schlossthore und nach einem heissen Gefechte gelang es ihnen, dieselben zu sprengen. Hiebei ge- rieth aber die Stadt in Brand und der herrschende, heftige Wind bi’eitete das Feuer so aus, dass die Annäherung an das eine Thor bald unmöglich wurde. Der Besitz des zweiten, des Wasserthores, den sich der Oberstlieutenant Spinola erzwungen hatte, brachte den Stürmenden keinen Vortheil, da den Türken Zeit geblieben war, 1 1) mid 2) Des Feldmarschalls Grafen von Leslie Kriegs-Operationen. — StaatsArchiv.