Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685
238 Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. zu decken. — Im Lager von Gross-Maros erhielt der Herzog von Lothringen mehrere erfreuliche Nachrichten. — 500 Insurgenten sollten sich von Thököly losgesagt und die Amnestie des Kaisers angenommen haben. — Vom Seraskier wurde übereinstimmend erzählt, dass er 2000 Flüchtlingen und Ausreissern habe die Köpfe abschneiden lassen. Auch sollte er die ganze Reiterei nach Belgrad abgesendet haben und selbst demnächst dahin abgehen. Thatsächlich lief aber ein Schreiben Ibrahim’s ein, in welchem er für Achmed Aga, den er abermals mit Friedensvorschlägen an den Herzog von Lothringen abordnen wollte, einen Pass erbat. — Die Ingenieure und Arbeiter, welche Lothringen vor einigen Tagen nach Visegrád entsendet hatte, um diesen Platz vollständig zu demoliren, kehrten wieder in das Lager zurück und meldeten, dass sie keine Gelegenheit gefunden, eine Arbeit vorzunehmen, da die Türken fast keinen Stein auf dem andern gelassen hätten. Seit dem Rückmärsche der Hauptarmee nach Gross-Maros hatten die Vorfallenheiten bei derselben nur mehr eine geringe Wichtigkeit; es handelte sich zumeist nur um die Heimsendung eines Theiles der Auxiliar-Truppen und die Repartition der Winterquartiere. Vom 14. bis 16. September lagerte der Herzog bei Szobb; an dem letzteren Tage überschritt er die Eipel und bezog dann eine Stellung bei Szalka, in welcher er bis zum 6. October verblieb. In Szalka wurden die Präliminar-Dispositionen für die nächsten Winterquartiere festgestellt und dann durch einen Courier an den Kaiser abgesendet. Am 22. September marschirten die Regimenter Piccolomini und Hannover dem Obersten Götz nach und einige Tage später (28.) ging General Mercy mit seinem Detachement, bestehend aus den Regimentern Mercy, Dünnewald, Gondola, Heissler, Fürstenberg, Styrum und Castell, den Infanterie-Regimentern Starhemberg, Mannsfeld, Neuburg, 4 Compagnien Kaiserstein und */, Metternich, dann einigen Geschützen und einem Mörser, gegen Szolnok ab, wo angelangt, er unter die Befehle des Feldmarschalls Caprara zu treten hatte. Ebenfalls am 28. trat Graf Caprara, welcher vom General Schulz das Commando zu übernehmen bestimmt worden war, die Reise nach Ober-Ungarn an. — Der Fürst von Waldeck, dessen Anwesenheit bei der Armee übrigens wenig bemerkbar geworden, hatte schon früher (26.) das Lager verlassen und mit vielen Volontärs sich auf die Heimreise begeben. Zu dieser Zeit waren auch die nach der oberen Raab bestimmten Truppen nebst den Verstärkungen für das Corps an der Drau bereits abgerückt ; der Tag ihres Abmarsches erscheint jedoch nirgends angegeben *). General Scherffenberg, welcher am 18. September aus Wien nach Szalka zurückgekehrt war, hatte die Nachricht überbracht, dass der *) Die Verstärkungen für das Leslie’sche Corps gingen aller Wahrscheinlicli- keit nach schon im Anfänge des Monats September ab.