Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1G85. 231 über. —• Der Moment des Entscheidungskampfes war somit gekommen. Mit der grössten Zuversicht blickte der Herzog der Schlacht ent­gegen, da er wusste, wie sehr, ungeachtet ihrer Ermüdung, seine Truppen nach einer solchen verlangten und ihm bekannt war, dass kaiserliche und verbündete Soldaten sich den Türken gegenüber für unbezwingbar hielten. Die Feinde eröffneten sogleich das Gefecht, indem sie aus zehn, in ihrer ersten Linie befindlichen Geschützen eine Salve abgaben. Dabei überhasteten sie sich aber so sehr, dass die Schüsse sämmtlich zu hoch und die Projectile über die Köpfe der Gegner hinweggingen. Auch Lothringen hatte sein meistes Geschütz im ersten Treffen und liess das Feuer erwidern, wobei seine geübten und kaltblütigen Artilleristen mit jedem Schüsse einen Treffer er­zielten. Das Geschützfeuer hatte kaum einige Minuten gedauert, als sich die türkische Reiterei unter wildem Allahgeschrei auf den rechten Flügel der Kaiserlichen warf und diesen — obwohl nur fül­emen Augenblick— durch die Vehemenz ihres Anpralles zum Wanken brachte. Der Herzog, immer an den bedrohtesten Punkten verweilend, hatte seine Truppen rasch wieder geordnet, ging zum Gegenstosse über und warf die feindliche Cavallerie zurück. Gleichzeitig hatte der Seraskier, der fast die ganze Infanterie auf seinen linken Flügel gezogen, versucht, die Detachements unter Styrum und Thüngen aus ihren Stellungen zu drängen und die kaiserliche Armee von den An­höhen herab aufzurollen. Die Ungarn hielten aber, obwohl sie durch das Geschützfeuer der Türken litten, wacker aus, bis Styrum, dessen Truppen sich schon grösstentheils verschossen hatten, von dem General Boisdavid (Lüneburger) aus dem zweiten Treffen Unterstützung er­hielt und nun, gemeinschaftlich mit dem verwundeten Thüngen, auch hier den Angriff siegreich abwies. Der Herzog von Lothringen liess hierauf die ganze Armee langsamen Schrittes und den Schuss im Rohre vor­rücken und erst auf ganz kurze Distanz eine gleichzeitige, mörderische Salve und aus den wieder vorgezogenen Geschützen Kartätschladung auf Kartätschladung abgeben. Die wiederholt gelockerten türkischen Linien schlossen sich zwar wieder und Ibrahim Scheitan versuchte das unwiderstehliche Vordringen der Kaiserlichen durch einen Vorstoss gegen den Flügel des Churfürsten von Bayern aufzuhalten. Dieser schlug den ohne Verve unternommenen Angriff mit geringer Mühe zurück und ging hierauf mit seiner Reiterei zur Offensive über. Unter den Streichen derselben begann die türkische Schlachtlinie zu wanken und bald darauf floh die feindliche Armee in voller Unordnung gegen und über den Morast. Lothringen liess diesen unter dem Schutze der Artillerie von der Infanterie und den National -Truppen überschreiten und die letzteren den Türken nachsetzen. Der Seraskier, obwohl schwer am Schenkel verwundet, wollte jenseits des Sumpfes das Gefecht erneuern. Da er aber nur einen geringen Theil seiner 16*

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