Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

216 Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685. Nacht des 18. Juli machte ein heftiger Platzregen die Fortsetzung der Belagerungsarbeiten unmöglich. Am 19. Juli wurden die Beschädigungen, welche der Regen in den Laufgräben angerichtet hatte, hergestellt und die grosse Batterie soweit vollendet, dass in derselben 9 Halb-Kartaunen das Feuer auf­nehmen konnten.— Um über die Bewegungen und Absichten des Feindes genaue Nachrichten einzuziehen, wurde Oberst Heissler mit 1000 Pferden an die Eipel entsendet. Am 20. erhielt das Detachement in Komorn den Befehl, die Schiffbrücken durch die Anlegung von Retranchements zu versichern. Gleichzeitig verstärkte Lothringen dieses Detachement durch die Dragoner-Regimenter Magni und Savoyen.— An diesem Tage meldete Major Őrlik aus Sillein (Zsolna), dass er gemeinschaftlich mit Gombos die Insurgenten geschlagen und denselben den grössten Theil ihrer Gefangenen und ansehnliche Beute abgejagt habe ‘). In der Nacht auf den 21. Juli wurde die grosse Batterie vollendet und mit Tagesanbruch daraus mit 18 Geschützen das Feuer eröffnet. Am 22. feuerte die Batterie mit 19 Stücken und unterstützt von allen übrigen Batterien und 18 Mörsern ununterbrochen gegen die ange­griffene Front und die Stadt. Die Wirkung des Feuers war eine so gute, dass „Männiglich sich mit der Kayserlichen Artillerie Zufrieden bezeigte2) “ und die Stadt um 2 Uhr Mittags in Flammen stand. Gegen Abend wurde dem Herzog die Meldung gebracht, dass ein starkes Tataren-Corps bei Waitzen angekommen sei. Am 23. traf der Fürst von Waldeck mit einem Theile der Truppen des fränkischen Kreises im Lager ein. Seit den letzten zwei Tagen arbeitete ein starkes Commando der Belagerer an der Aus­hebung eines Ableitungsgrabens (unweit der Bastion Ernst), durch welchen nun das Wasser aus dem Graben rasch abzufliessen begann. Lothringen, der bereits die Anstalten zur Überschreitung des Grabens getroffen hatte, Hess den türkischen Befehlshaber zur Übergabe des Platzes auffordern. Dem Parlamentär wurde aber der Einlass ver­weigert und durch Zeichen bedeutet, die Schlüssel von Neuhäusel befänden sich in Ofen und müssten von dort geholt werden. Im Laufe des Tages vollendeten die Angreifer auf beiden Flügeln der Parallele je eine kleinere Contrebatterie. Dagegen misslang der Versuch, die Mineure in zwei kleinen Fahrzeugen über den Graben zu bringen und an die Facen der angegriffenen Bastione anzuhängen. Die Ver­luste der Belagerer waren am 23. beträchtlich. Der bayerische Oberst Graf Rose und ein Mineur-IIauptmann wurden getödtet, ein Mineur­’) Registratur des Reichs-Kriegsministeriums. 2) Bericht des Obersten Börner an den Markgrafen Hermann von Baden vom 23. .Juli 1685. — Grossherzogliches Archiv in Karlsruhe und k. k. Kriegs-Archiv.

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