Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685
214 Der Feldzug gegen die Türken im Jalire 1685. «) Die Belagerung von Neuhäusel vom 11. Juli bis 19. August 1685'). Die Hauptarmee brach am 4. Juli gegen Neuhäusel auf, wohin auch der Prinz von Hannover von Surány beordert wurde. Graf Czobor verblieb zur Sicherung der Belagerung und Beobachtung des Feindes an der Gran und die Commandanten von Komorn, Gran, Visegrád, Léva und Korpona (Karpfen) erhielten den Befehl, ihre Aufmerksamkeit zu verdoppeln und alle Nachrichten über den Feind dem Oberbefehlshaber unverweilt zur Kenntniss zu bringen. Der erste Marsch reichte nur bis Köbölkút, da ein bei diesem Orte befindlicher Teich, in Folge des Regenwetters aus den Dämmen getreten war und die weitere Vorrückung verhinderte. Erst am 7. Juli erschien die Armee vor Neuhäusel, da die Passirung eines Sumpfes unweit der Neutra abermals viele Zeit beansprucht hatte. Am folgenden Tage wurde die Neutra an zwei Stellen, eine oberhalb, die andere unterhalb des Platzes, überbrückt, die Festung durch den Herzog und mehrere Generale recognoscirt und hierauf der Angriff, Front des Belagerungs-Heeres gegen Neográd (von Nordwest), beschlossen. Neuhäusel bildete damals ein regelmässiges Sechseck mit einfacher bastionirter Umfassung2). Die Bastione waren: Ernst (nächst der Neutra), dann nach rechts: Kaiser, Friedrich, Zerotin, Forgach und Böhmen. In der Courtine zwischen Böhmen und Ernst befand sich das Graner-, in der zwischen Friedrich und Zerotin das Wiener Thor. Die I'estung war ohne Aussenwerke, besass eine Contrescarpe ohne Bekleidung, dafür aber einen tiefen und verhältnissmässig breiten Wassergraben, der durch einen Canal mit der Neutra in Verbindung stand. Die Besatzung bestand aus ungefähr 3000 Mann Kerntruppen. Im kaiserlichen Lager vor Neuhäusel trafen vom 7. bis zum 10. Juli die Lüneburg’schen und bayerischen Truppen, das schwäbische Regiment, dann der bayerische General Graf Sereni und der FZM. Prinz Croy ein, welcher letzterer bis zur Ankunft des Fürsten von Waldeck das Commando der Infanterie übernahm. Dagegen wurde der General Scherffenberg mit einem Detachement nach Komorn zur Bewachung der dortigen Schiffbrücken abgesendet. Der Transport des Geschützes wurde noch immer durch die ohnehin wenig practicablen, in Folge fortdauernder Regengüsse aber ganz grundlos gewordenen Wege verzögert. Am 10. Juli hielt der Herzog von Lothringen einen Kriegsrath , in welchem beschlossen wurde, zwei Angriffe gegen die Festung zu unternehmen, von welchen der eine gegen die Bastion J) Staats-Archiv: Jonrnaux des campagnes etc. 2) Siehe Tafel 2.