Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)

Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1685

202 Der Feldzug gegen die Türken im Jahre 1(385. überlassen. Daraus entstand eine solche Verwirrung, dass der Kaiser den G. d. C. Rudolf Grafen von Rabatta in specieller Mission im Januar nach Leutschau entsenden musste, um den ärgerlichen Quartier­streit beizulegen und zwischen den Generalen „die gute Correspondenz“ wieder herzustellen '). In Folge von Rabatta’s Berichten wurden noch im Januar (30.) die Regimenter Dünnewald, */2 Gondola und Starhem­berg aus dem Trentschiner und Pressburger Comitat nach Nieder-Öster- reich und Böhmen; sechs Compagnien Styrum in das Odenburger und Eisenburger Comitat und das halbe Regiment Mannsfeld nach Böhmen verlegt2), wogegen die Besatzungen von Léva und den benachbarten Orten eine geringe Verstärkung aus den mährischen und schlesischen Cantonirungs-Stationen erhielten. Schon früher (16. Januar) hatten vier Regimenter aus dem ausgesogenen Croatien, wo ihre Verpflegung nicht länger möglich war, nach Inner-Österreich gezogen werden müssen3). Auch der Zustand der meisten befestigten Plätze in Ungarn war wenig befriedigend. An den Fortificationen von Gran war im Vorjahre zwar gearbeitet worden, die Werke Hessen aber noch immer sowohl in Bezug auf ihren Zustand, als besonders bezüglich ihrer Armirung Vieles zu wünschen übrig. Noch am 26. Februar 1685 berichtete der Comman­dant Bischofshausen über „die gar schlechte Beschaffenheit der Fortifi­cation von Gran wegen Mangel des Gelds, Proviants und schwacher Garnison“ und verlangte dringend 500 deutsche Musketiere zur Ver­stärkung4)- Visegrád wurde während des Winters von dem Oberst­wachtmeister Grafen Marsigli durch Zu- und Umbauten etwas ver­stärkt, und Gleiches geschah in einigen anderen Plätzen. Sehr übel war es um Szendrö bestellt, von wo der Oberstwachtmeister Guadagni Bericht auf Bericht schrieb, in welchen er über die unzureichende Gar­nison und den Mangel an Geld, Proviant und Munition Klage führte. Nicht um Vieles tröstlicher lauteten die Rapporte des Obersten Baron Wallis über die Verhältnisse in Szathmár. Unabsehbare Schwierigkeiten mussten also noch bewältigt werden, ehe an den Beginn der Operationen gedacht werden konnte. That- sächlich lag die Aufgabe der Heeresausrüstung nur in den Händen des Kaisers, dessen Umsicht und Arbeitskraft noch kaum jemals nach Gebühr gewürdigt .worden ist; dann des Herzogs Karl V. von Lothringen und des pflichttreuen und selbstlosen Grafen Rudolf Rabatta, welcher nach dem Rücktritte des Grafen Seyfried Brenner (im März) die Stelle des General-Kriegscommissärs erhalten hatte. Der Präsident des Hof- kriegsrathes, Feldmarschall Hermann Markgraf von Baden, entwickelte nicht immer die nothwendige Thatkraft und musste wiederholt zu *) *) K. k. Kriegs-Archiv. 2) Registratur des Reichs-Kriegsministeriums. 3) K. k, Kriegs-Archiv. 4) Registratur des Reichs-Kriegsministeriums.

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