Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Wiener des Generstabs-Corps: Das Corps des FML. Friedrich Freiherrn von Hotze in Feldzuge 1799
Das Corps des FML. Friedrich Freiherr von Hotze im Feldzuge 1799. 91 dem am 17. October 1797 abgeschlossenen Frieden zu Campo Formio fort, sein- gieriges Streben nach Erweiterung seines Einflusses und Machtgebietes zu befriedigen. Ein Congress zu ßastadt mühte sich vergeblich ab, dem Frieden eine sichere Grundlage zu geben. Italien und die Schweiz wurden bald ganz unter die Botmässig- keit Frankreichs gebracht, neue, abhängige Republiken gegründet. Auch in Deutschland wurde der von dem Fremden angeschlagene Ton immer lauter und anmassender; die Zerfahrenheit der politischen Verhältnisse daselbst bereitete einen für französische Wühlereien fruchtbaren Boden. Was hätten die Schaaren der fränkischen Republik vermocht, wie wären sie zerstoben von deutschem Boden, wenn diesseits des Rheines, im Anschlüsse an Österreichs Heer, ein vom Geiste der Einigkeit getragenes Schwert auf sie niedergefahren wäre? Österreich beobachtete den Provocationen der Republik gegenüber durch längere Zeit Zurückhaltung. Es brauchte Zeit, denn es bedurfte der Sammlung. Mit ganzer Kraft wurde die Organisirung und Completirung des Heeres in’s Werk gesetzt. Die Besetzung der Schweiz durch französische Truppen, die folgende Verstärkung der österreichischen Truppen in Tirol und Vorarlberg, schliesslich deren Besitznahme von Graubünden (October 1798) vermehrte die Spannung zwischen beiden Staaten. Ohne Anwendung von Waffengewalt war man sich näher gerückt. Die Spannung stieg auf’s Äusserste als sich russische Heeres- theile, als Alliirte Österreichs, gegen Westen in Marsch setzten. Die Forderung Frankreichs, das Bündniss mit Russland zu lösen, von Österreich mit dem Verlangen die französischen Truppen aus der Schweiz und Italien zurückzuziehen erwidert, gab den Franzosen den Anlass zur Eröffnung der Feindseligkeiten im Februar 1799. Das Kriegstheater, auf welchem sich die Ereignisse des Jahres 1799 abspielten, theilt sich in drei natürliche Abschnitte: das offene Land nördlich, jenes südlich der Alpen und endlich dieses Hochgebirge selbst. Von Seite Österreichs war die Eintheilung der Armee in drei Gruppen zu je 75.000 bis 78.000 Mann in Süd-Deutschland, in Vorarlberg und Tirol, dann in Italien festgesetzt worden. Auf Seite der Franzosen formirte sich je eine Armee am Mittel-Rheine (46.000), in der Schweiz (33.000), in Ober-Italien (50.000), in Unter-Italien (30.000), und eine Observations - Armee (48.000) in der Gegend von Mannheim. Die ersten Feindseligkeiten fanden in der Schweiz statt, wo sich die beiderseitigen Truppen hart gegenüberstanden. Ohne vorangegangene Kriegserklärung wurden die Österreicher am 6. März angegriffen, der Rhein-Übergang von den Franzosen bewerkstelligt. Mit ihrer Festsetzung auf dem Luziensteige war die Haupt-