Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland

Solchen Motiven gegenüber verliert eine abträgliche Kritik der Kriegführung Schwarzenberg’s jede Berechtigung, selbst auch in dem Falle, als sie sich darauf stützen wollte, dass Sacken thatsächlich keinen nennen s wer then Widerstand leistete, mithin entweder wirklich schon durch die Niederlage bei Izabelin vollständig geschwächt war, oder doch jene Verstärkung nicht erhielt, die man im österreichischen Hauptquartiere voraussetzte. Dieser scheinbare Widerspruch löst sich von selbst, wenn man berücksichtigt, dass auch die officielle russische Darstellung des Krieges von 1812 es Sacken zum besonderen Verdienste anrechnet, dass er es verstand, jedem ernsten Zusammenstosse mit seinem Gegner auszuweichen. Und in der That, hatte Sacken, wie erwiesen, nur die Aufgabe, den Fürsten Schwarzenberg von der Operationslinie Tschitschagof’s fern zu halten, so konnte er dieses Ziel nicht besser, als durch ein besonnenes Zurückgehen erreichen. Je mehr er den Gegner nach Süden abzog, destoweniger konnte derselbe im Norden gefährlich werden, was aber wohl hätte eintreten können, hätte sich Sacken durch einen ungünstigen Zusammenstoss in die Lage gebracht, dass ein kleiner Theil der gegnerischen Kraft zur weiteren Verfolgung genügt haben würde. Dass Sacken nach seinem Abzüge von der Muchawec das Corps Essen an die Armee Tschitschagof’s abgab, zeigt ebenso sehr für die Richtigkeit dieser Ansicht, als es beweist, dass Sacken nicht so ausserordentlich geschwächt gewesen sein konnte. Es soll der unantastbare Grundsatz nicht alterirt werden, dass die Commandanten auf secundären Kriegsschauplätzen sich dem höheren und allein gütigen Ziele des Krieges unterordnen müssen. Allein dies gilt doch auch nur innerhalb der Grenzen thatsächlicher Möglichkeit. Man rechnete im französischen Hauptquartiere wohl mit der Eventua­lität eines Heranziehens des Auxiliar-Corps, nicht aber auch mit der factischen Existenz Tschitschagofs, der dem gewünschten Anmarsche Schwarzenberg’s imperativ entgegenstand, — abgesehen davon, dass der Gang der Ereignisse schon längst jene Vorbedingungen gründlich geändert hatte, unter denen die Heranziehung des Auxiliar-Corps in der Weise, wie sie bis zuletzt gefordert wurde, gerechtfertigt erscheinen konnte. Wie triftig und unanfechtbar die Gründe waren, welche den Fürsten Schwarzenberg veranlassten, mit vereinter Kraft gegen Brest zu operiren, auf französischer Seite blieb man unentwegt bei der Forderung des Vormarsches über Minsk. So wie man dort bei Beginn des Feldzuges die Stärke der Russen in Volhynien unterschätzte und diese irrigen Voraussetzungen zur Basis des militärischen Calcüls nahm, so glaubte jetzt der Herzog von Bassano dem Interesse der „grossen Armee“ am besten zu dienen, wenn er den Fürsten in möglichst vollständiger Unkenntniss über den

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