Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland
unter Commando d. Fürsten Schwarzenberg im Feldzüge Napoleon I. gegen Russland. 73 auch an, dass die beiden russischen Generale gar nicht daran dachten, sich den unbequemen Verfolger durch einen gemeinsamen Schlag ein- für allemal vom Halse zu schaffen, so konnte doch irgend ein, an und für sich unbedeutender Zwischenfall Tschitschagof an der Fortsetzung des Marsches hindern, und dann war er genöthigt, nach rückwärts Front zu machen. Die Lage, in welche das Auxiliar-Corps durch eine solche, keineswegs ferne liegende Eventualität nothwendig kommen musste, ist wohl für Jeden leicht zu beurtheilen. Eine solche Situation müsste es selbst als gerechtfertigt erscheinen lassen, wenn sich Fürst Schwarzenberg zuerst dem näheren und zugleich gefährlicheren Gegner zugewandt und erst dann die Operation in der Richtung gegen Slonim aufgenommen hätte. Dass er das Gegentheil that und die Rücksichten für die Sicherheit der eigenen Operationen dem allgemeinen Zwecke unterordnete, begründet umsoweniger den Vorwurf der Unentschiedenheit, als General Reynier die entgegengesetzte Ansicht vertrat und die Vernichtung des Sacken’schen Corps als erstes Operationsziel beantragte. Wie sehr es dem Fürsten Ernst war, die Bewegungen Tschitschagofs zu paralysiren, geht aus dem Berichte hervor, den er am 7. November aus dem Hauptquartiere Brzestowice an Kaiser Franz absandte: „Bisher konnte ich nicht in Erfahrung bringen, wie viel bei Brest zurückblieb und ob dieses Corps die nämliche Richtung nimmt, wie die andern. Die geringe Anzahl meiner Cavallerie und die äusserst abgematteten Pferde erlauben mir durchaus nicht, die nöthige Anzahl von Streifcommanden zu detachiren, weil sie immer Gefahr laufen, durch den Feind, welcher stets mit grossen Haufen streift, ungeachtet der grössten Vorsicht aufgerieben zu werden. Hiedurch werden meine Mittel, Nachrichten vom Feinde zu erhalten, äusserst erschwert.“ „Sollte der Feind in getrennter Ordnung seinen Marsch fortsetzen, so werde ich suchen, ihn anzugreifen, auf jeden Fall aber werde ich ihm dergestalten auf dem Fusse folgen, dass ich mit ihm aller Orten anlangen kann und ihn auf diese Art verhindern, sich auf einen Theil der alliirten Armee zu werfen, ohne mich im Rücken zu haben.“ Die Nothwendigkeit, den Bjelowjeser Wald mit seinen zahllosen Sumpf-Defiléen nordwärts zu umgehen, der Aufenthalt, den das Zuwarten auf die Division Durutte verursachte, endlich die Unsicherheit über die Bewegung des Gegners und die Angriffe Sacken’s, machten es unmöglich, Slonim früher zu erreichen, als Tschitschagof, der sich überdies auf der weit kürzeren inneren Linie bewegte und seinen Marsch durch eine zahlreiche leichte Reiterei maskiren konnte. Nach der nothgedrungenen Umkehr nach Wolkowisk und dem Treffen bei Izabelin standen die Chancen schon wesentlich anders. Fürst Schwarzenberg hatte die Wahl, entweder Tschitschagof in der