Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland
dem Feinde eine Beute abzujagen, oder einige Erdäpfelgruben, wohl gar einige vergrabene Fässer Branntwein zu entdecken, so hatte man das Höchste eines guten Nachtlagers erreicht.“ „Von einer Auszahlung des Soldes an die Mannschaft war gar keine Bede. Dieses hätte sich, da überhaupt nichts, mithin auch für Geld nichts zu bekommen war, noch verschmerzen lassen, aber der gänzliche Mangel an Brot, Zwieback, Wein, Tabak und Salz war für Jedermann äusserst drückend. Kaum dass es der Thätigkeit des Generals Mayer, dem die Sorgfalt für die Verpflegung des Corps anvertraut war, gelang, dem Manne auf 8 oder 14 Tage einen Laib Brot zu verschaffen '). Von Montur und Schuhen war gar keine Rede. Von den Häuten der geschlachteten Thiere wurden Fussbekleidungen gemacht. Wo es thunlich war, requirirte man Lammfelle, um damit den Kopf und den Leib vor dem schon waltenden Winter zu schützen. Zu allem Mangel gesellten sich tägliche Märsche und Biwaks. Die Kranken nahmen daher immer zu und kein Nachtlager wurde verlassen, ohne dass vorher mehrere Todte, die dem Elende erlegen waren, beerdigt wurden. Der commandirende General schickte den Fürsten Alois Liechtenstein, der kaum von seiner Verwundung hergestellt war, nach Wien an unseren Kaiser ab, um ihm die Lage seiner Truppen in der Fremde zu schildern, und wirklich wäre es nicht möglich gewesen, für sie einen würdigeren Vertreter zu finden.“ Das Bild, welches hier von dem k. k. Auxiliar-Corps entworfen werden soll, würde unvollständig sein, wollte die Schilderung sich nur auf den materiellen Theil beschränken. Sollen die Verhältnisse jener Zeit ihrem vollen Werthe nach zur Basis objectiven Urtheiles dienen, so ist es unerlässlich, auch des „moralischen Elementes“, wenn auch nur in Kürze, zu gedenken. Der Geist, welcher die Truppen beseelt, ist das Bindemittel in jedem Heere; auch hier bildete er den Kitt, der die kaiserlichen Regimenter allen physischen und moralischen Widerwärtigkeiten gegenüber, in altbewährter treuer Pflichterfüllung zusammenhielt. Die allgemeine Stimmung im Auxiliar-Corps sowohl, als auch in der österreichischen Armee überhaupt, kehrte sich gegen eine Waffenbrüderschaft mit Frankreich. Wie wenig Sympathien sich Russland durch sein Verhalten als Alliirter Österreichs seither auch erwarb, wie frisch und lebendig auch die Erinnerungen an ihr Vorgehen in den Jahren 1805 und 1809 in der kaiserlichen Armee sich erhalten hatten, — die Abneigung gegen Frankreich überwog doch so sehr, dass der Gedanke, nun Seite an Seite mit französischen *) 54 1812. Kriegsgeschichtl. Studie über die Thcilnahme des k. k. österr. Auxiliar-Gorps *) General-Major Mayer erlag am 8. Februar 1813 den übergrossen Anstrengungen dieses verantwortungsreichen Dienstes. Sterbend Hessen ihn die k. k. Truppen auf ihrem Rückmärsche in Okenlic, unweit Warschau, zurück; die Russen begruben ihn nacli ihrem Einrücken mit allen militärischen Ehren.