Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland
wesens inaugurirt. Bis zum Jahre 1812 bestand in der k. k. Armee während den Friedensepochen kein militärisch organisirtes Sanitäts- Personale, sondern es wurde ein solches gleichzeitig mit der Augmentation der Truppen, für den jeweiligen Bedarfsfall errichtet. Bei einer solchen Praxis war es unvermeidlich, dass die Pflege der Kranken und Verwundeten Leuten überlassen wurde, die mit diesem wichtigen Dienste gar nicht vertraut waren und sich überdies zumeist aus den unverwerthbarsten Individuen der Unterabtheilungen recrutirten. Diese und noch zahlreiche andere Übelstände hatten schon 1808 Kaiser Franz veranlasst, die Formirung eines eigenen, auch im Frieden zu unterhaltenden militärischen Sanitäts - Corps anzuordnen, welches, entsprechend vorgebildet und stabil organisirt, den Sanitätsdienst bei der Truppe sowohl, als in den Spitälern zu versehen hätte. Die Durchführung dieses Beschlusses wurde jedoch durch den Ausbruch des Krieges von 1809 und dessen weitere Consequenzen gehindert und erst vor Ausbruch des Krieges von 1812 wieder aufgenommen. Gleichzeitig mit der Aufstellung des Observations-Corps wurden vier Hauptspitäler mit je einem Belagsraume für 1000 Kranke in Lemberg, Sambor, Jaroslau und Rzeszow, dann Filialen in Zolkiew, Grodek, Laszki-Murowany, Przemysl, Starawies und Krosno mit einem Gesammtbelage für 950 Kranke errichtet, so dass diese Sanitätsanstalten zusammen 4950 Kranke aufnehmen konnten. Sämmtliche Sanitätsanstalten standen unter der Feldspitäler- Direction, die sich aus einem Oberst des Pensionsstandes, einem Stabs- Feldarzte und einem Feld-Kriegscommissär zusammensetzte, und an den als Sanitäts-Chef im Hauptquartiere befindlichen dirigirenden Stabs- Feldarzt angewiesen war. Das militärische Aufsichts-Personale der Hauptspitäler wurde aus pensionirten Officieren, vom Hauptmanne abwärts, und tauglichen Patental-Invaliden des Mannschaftsstandes entnommen. Das Personale eines Hauptspitales bestand aus 1 Hauptmanne, 6 Subaltern-Officieren, 2 Spitals-Caplänen; für den ärztlichen Dienst waren 2 Chef-Ärzte (Stabs- oder Regiments-Ärzte), 10 Ober-Ärzte, 40 Unter-Ärzte; zur Wartung: 40 Unterofficiere und 200 Krankenwärter, endlich zur Administration 1 Rechnungsführer und 6 Fouriere bestimmt. Die Beistellung der Verpflegs- und sonstigen Bedürfnisse der Spitäler wurde durch Contrahenten des Civilstandes besorgt. Für den Sanitätsdienst im Felde waren, ausser dem bei den Truppen eingetheilten ärztlichen Personale, noch 50 zweispännige Sanitäts-Fuhrwesenswagen und eine Sanitäts-Compagnie aufgestellt, als welch' letztere eine Cordons-Compagnie der vierten galizischen Cordons - Abtheilung Niepolomice bestimmt wurdÄ. Die Verbandplätze in der Nähe der Gefechtsfelder waren durch orangegelbe Fahnen kenntlich gemacht. 52 1812. Kriegsgeschichtl. Studie über die Theilnahme desk.k. österr. Auxiliar-Corps