Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Edlen von Angeli: 1812. Die Theilnahme des k. k. österreichischen Auxiliar-Corps unter Commando des G. d. C. (später Feldmarschalls) Fürsten Carl zu Schwareznberg im Feldzuge Napoleon I. gegen Russland
Wald und rückten in zwei Colonnen, das VII. Corps über Rudna und Szereszow, das Auxiliar-Corps über Nowydwor und Pruzany gegen Brest-Litowski, wo sie am 25. November die Russen nach einem lebhaften Gefechte zum Rückzuge in die podlesiscben Sümpfe nöthigten und bis Mokrany verfolgten. Während Fürst Schwarzenberg den Feind nach Volhynien zurücktrieb, wartete man im französischen Hauptquartiere mit ebensoviel Ungeduld als Unkenntniss der Verhältnisse, auf das Eintreten des austro-sächsischen Corps in die Operations-Sphäre der Hauptarmee. Am Tage, als die beiden Corps an der Muchawec anlangten, traf auch ein Courier des Herzogs von Bassano ein, welcher den Befehl Napoleon’s überbrachte, den Admiral Tschitschagof mit allem Nachdrucke zu verfolgen. Der Ausführung dieses Auftrages stellten sich jedoch bedeutende Hindernisse entgegen. Das Corps Sacken’s war momentan allerdings unschädlich; die bei Slonim unter FML. Frimont zurückgelassenen Truppen hatten ihre Aufgabe nach Kräften erfüllt, indem sie den Feind unablässig beunruhigten, bis Nowogrudok streiften und dem Feinde die Communication mit Sluck und Minsk abschnitten; nichtsdestoweniger aber hatte Tschitschagof nun schon einen bedeutenden Vorsprung gewonnen, der nur durch ununterbrochen forcirte Märsche wieder eingebracht werden konnte. Ob man aber den durch die Unbilden eines abnorm strengen Winters und die fortwährenden Märsche erschöpften Truppen solche erneuerte und dauernde Anstrengungen noch zumuthen durfte, war kaum noch eine Frage. Insbesondere war die Division Durutte schon auf ein Drittel ihrer Stärke zusammengeschmolzen, und auch die Sachsen und Österreicher hatten bedeutende Verluste erlitten. Ungeachtet dessen war Fürst Schwarzenberg bereit, dem Befehle Napoleon’s insoweit nachzukommen, als dies unter den gegebenen Verhältnissen überhaupt möglich war. Sobald er sich von dem definitiven Rückzuge Sacken’s hinter die podlesischen Sümpfe überzeugt hatte, trat er mit dem Auxiliar-Corps am 29. November den Marsch nach Slonim an, wohin ihm das VH. Corps am 30. von Brest-Litowski aus folgte. Am 7. December waren beide Corps in der Nähe von Slonim vereinigt. Das VII. Corps hielt bei Ruzany die Debouchéen des Bjelowjeser Waldes besetzt; General-Major Zechmeister stand mit der Avantgarde bei Neswiz und General-Major Mohr suchte jenseits des Niemen von Bjelica aus die Verbindung mit der „grossen Armee“ auf, von deren Schicksalen und Operationen man bisher nicht die geringste officielle Nachricht erhalten hatte. In Slonim tauchten zuerst Gerüchte von Unfällen auf, welche die Hauptarmee erlitten habe: der Brand und die Räumung von Moskau, der Sieg der Russen bei Malo-Jaroslawec, die Auflösung ganzer Corps. Gegenüber den Mittheilungen des Herzogs von Bassano, der sogar von einem Siege 34 1812. Kriegsgeschiclitl. Studie über die Theilnahme des k. k. österr. Auxiliar-Corps