Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
186 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. ziehung von 35*/j Bataillonen und 45 Escadronen österreichischer Truppen, d. i. circa 29.000 Mann mit 102 Geschützen, von Striegau und Goldberg auf das Schlachtfeld, mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit gerechnet werden. Zum mindesten würden diese, gewiss nicht unbedeutenden Kräfte einen namhaften Theil der höchstens 55.000 Mann starken Armee des Königs brachgelegt haben. Der Thatsache, dass eine Unterstützung der russischen Armee von österreichischer Seite am 16. vielleicht nicht indem wiinschenswerthen Masse stattfinden konnte, steht aber endlich die andere gegenüber, dass der König an den Angriff selbst durchaus nicht dachte, wie er dies in einem Briefe an den Prinzen Heinrich vom 16. August ausdrücklich sagt. Einerseits fand er die Stellung der Russen zu stark und fürchtete, dass der Angriff auf dieselbe zu grosse Opfer kosten würde, anderseits bestimmte ihn — und damit motivirt er auch sein Vorgehen dem Prinzen Heinrich gegenüber — der wiederholt ausgesprochene Grundsatz, es nur mit Laudon zu thun haben zu wollen, da er mit dessen Besiegung auch der Russen los zu werden hoffte *). Am Morgen des 16. August (möglicherweise auch schon am Abend vorher) liess Feldmarschall Buturlin, was in diesem Momente bezeichnend erscheint, Laudon um Mittheilung seiner Ideen über die ferneren Operationen ersuchen2). Dieser Aufforderung kam der Feldzeugmeister noch am selben Tage nach 3), und es ist nothwendig, den Inhalt seiner Vorschläge kennen zu lernen, weil sie die Situation charakterisiren. Unter Aufrechthaltung des dem Operationsplane zu Grunde liegenden Gedankens, dass die Vereinigung vor dem Angriffe allerdings als das Beste anzusehen sei, folgert Laudon aus der allgemeinen Lage, dass, nachdem beide Armeen der Verbündeten von ihren gegenwärtigen Positionen aus, die Vereinigung nicht leicht durch dreitägigen Verpflegsvorrath für die russische Armee nach Jauer sende; 2. aus der Angabe des Feldzeugmeisters, in einem Briefe vom selben Datum an den Feldmarschall Buturlin (Kriegs-Archiv 1761; Fase. VIII, 51, Acten des Laudon’schen Corps), dass 180.000 Portionen Brot nach Jauer abgesendet würden, und aus der Bestätigung, dass dies am 17. wirklich geschah, in dem Berichte Laudon’s an den Kaiser vom 21. August (Kriegs-Archiv 1761; Fase. VIII, 60, Acten des Laudon’schen Corps); endlich 3. aus dem Stärkeverhältnisse der leichten zu den regulären Truppen überhaupt. Diesbezüglich gibt eine vom Monate Juni stammende Standesübersicht der russischen Haupt-Armee (Kriegs-Archiv 1761; Fase. VI, 6, Acten des Laudon’schen Corps) an, dass die für selbe bestimmten Huszárén- und Kosaken-Regimenter, das ist die leichten Truppen, einen Sollstand von 11.000 Mann, die regulären Infanterie- und Cavallerie-Truppen aber einen solchen von 80.200 Mann hatten. Für die Verpflegung der russischen Trains und ihrer Bedeckung hatte nach deren Ankunft FML. Beck zu sorgen. *) Bernhardi, 2. Band, Seite 359; „ich bleibe hartnäckig dabei, nur mit Laudon zu thun halién zu wollen, und das aus guten Gründen, und wenn ich nicht die Geduld verliere, hoffe ich, werden diese Leute (die Russen) auf und davon gehen, jene anderen aber (die Österreicher), die ausdauernder sind, müssen besser beobachtet werden“. 2) Berichte an den Kaiser vom 16. und 21. August. 3) Schreiben an Buturlin vom 16. August.