Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 183 Zur selben Zeit, als das Gros der russischen Armee die Bewegung gegen Kunzendorf antrat, bewog den König die fortdauernde Unsicherheit über das Verbleiben derselben, zu dem Mittel einer gewaltsamen Recognoscirung zu greifen. Zur Ausführung derselben bestimmte er 5 Bataillone und 30 Escadronen unter General-Lieutenant v. Platen, welcher auf die plateauartige Terrain-Erhebung von Kloster Wahlstadt vorrücken, eventuell, wenn hiedurch der Zweck nicht erreicht würde, Abtheilungen in der Richtung auf Parchwitz und Liegnitz vorsenden sollte. Dieses Corps war aber noch nicht zum Aufbruche bereit, als schon die in der Gegend von Gross-Wandris aufgestellten Vorposten durch die Vortruppen Berg’s zurückgetrieben und sogar Theile des preussischen Gros nächst Gränowitz im Rücken angegriffen wurden. Es gelang zwar der preussischen Reiterei, sich noch rechtzeitig gefechts­bereit zu machen und den Gegner zurückzuwerfen, doch wurde nun­mehr auch das Gros von Berg’s Cavallerie diesseits Gross- und Klein- Wandris sichtbar, und aus dem Auftreten desselben schloss man mit Recht auf die Anwesenheit bedeutenderer russischer Streitkräfte über­haupt. Zieten erhielt demnach Befehl, mit weiteren 5 Bataillonen und 15 Escadronen über Mertschütz und Klein-Pohlwitz gegen Nikolstadt vorzugehen, um durch die Bedrohung der rechten Flanke Berg’s, Platen das Vordringen zu erleichtern. Die Vorrückung der beiden preussischen Corps, welche noch durch je ein Bataillon verstärkt wurden, veranlasste auch in der That, nach einem unbedeutenden Gefechte bei Gross-Wandris, etwa um 7 Uhr Früh den Rückzug der russischen Cavallerie, welcher sehr langsam und unter beständigem Geschützfeuer theils in der Richtung auf Berndorf, theils gegen Kloster Wahlstadt erfolgte. Um diese Zeit war aber das russische Gros in der gewählten Position noch lange nicht aufmarschirt. Umsomehr beunruhigte den Feldmarschall Buturlin die Möglichkeit eines feindlichen Angriffes, so dass er sich veranlasst sah, Laudon um Unterstützung anzugehen '). Letzterer setzte sich sofort nach Empfang der russischen Auf­forderung mit 40 Escadronen, einem Huszaren-Commando und 4 Ge­schützen mit berittener Bedienungsmannschaft von Striegau persönlich über Pro fen, Hertwigswaldau und Strachwitz auf Kloster Wahlstadt in Marsch. Seine Bewegungen deckte wahrscheinlich das Gros der Caval­lerie Brentano’s, welches bis in die Gegend von Damsdorf und Kuhnern vorrückte. Während sich dies vollzog, scheinen die preussischen Corps ihre Vorrückung nur sehr vorsichtig fortgesetzt zu haben; denn Zieten war, als die bei Merzdorf stehenden preussischen Vorposten der österreichi­schen Cavallerie ansichtig wurden, kaum erst über Klein - Pohlwitz 4) Op orations-Journal Laudon1 s, dann Bericht des Feldzeugmeisters an den Kaiser vom 16. August. Kriegs-Archiv 1761; Fase. VIII, 49, Acten des Laudon’schen Corps.

Next

/
Thumbnails
Contents