Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. 173 Knobloch und Zieten erhielten demgemäss Befehl, nach Steinau, beziehungsweise Ziilz zu marschiren, wo sie am 30. Juli eintreffen sollten. Eine ganze Serie unrichtiger Meldungen, welche am 29. Juli in’s preussische Hauptquartier gelangten, wurden jedoch, noch vor vollständiger Durchführung der letzterwähnten Anordnungen, zur Veranlassung einer Bewegung der gesammten Armee des Königs gegen Ober-Schlesien. Ein Theil dieser Meldungen bestärkte nämlich den König in seiner Annahme hinsichtlich der Bestimmung des Corps Draskovich und liess sogar auf einen Marsch Laudons gegen Neustadt schliessen, während der andere die vermeintliche Ankunft des Corps Czernitschew in der Nähe von Oppeln zum Gegenstände hatte. Um dem scheinbar unmittelbar bevorstehenden Versuche der Verbündeten zur Vereinigung über Oppeln entgegentreten zu können, brach die preussische Armee noch am selben Tage auf, passirte die Neisse und erreichte spät Abends die Gegend von Alt-Walde und Lindewiese, südlich Oppersdorf. Durch diesen Marsch hoffte der König die Verbündeten zum Aufgehen ihres Planes zu bewegen und besorgte nur, dass man österreichischerseits doch versuchen würde, Draskovich zu den Russen stossen zu lassen. Um auch dieses zu verhindern, entschloss er sich, das bezeichnete Corps in’s Gebirge zurückzudrängen, zu welchem Zwecke er am Morgen des 30. mit 17 Bataillonen und 30 Escadronen persönlich nach Neustadt vorrückte. Dort blieb er, nachdem Draskovich den Rückzug nach Jägerndorf bereits angetreten hatte '), stehen und zog das Corps Zieten’s an sich, so dass er bei ersterem Orte über 28 Bataillone, 60 Escadronen, bei Steinau über das daselbst eingetroffene Coi’ps Knobloch’s mit 12 Bataillonen verfügte3). 40 Bataillone und 60 Escadronen hätten sonach am 31. gegen das Corps Draskovich in Bewegung gesetzt werden können, wenn dieses einem Angriffe des Königs am 30. wirklich standhielt. FML. Draskovich hatte also, indem er sich dem Stosse einer mindestens dreifachen Übermacht entzog, in der That das Beste getlian, was er thun konnte. Während des in Rede stehenden Vorstosses in südöstlicher Richtung waren von der preussischen Armee nur 23% Bataillone und 43 Escadronen unter General-Lieutenant Graf Wied bei Oppersdorf verblieben und es hatte sich somit eine Kräftevertlieilung ergeben, welche zugleich der Absicht des Königs entsprach, sich einem Durchbruchsversuche Laudon’s über Neustadt zu widersetzen. Die noch am 30. Juli in Laudon’s Hauptquartier gelangten Nachrichten über die eben beschriebenen Vorgänge bewogen den Feldzeug- *) *) Nur das Defile von Zuckmantel war zum Schutze des Magazins von Würben- thal mit einem Bataillon und einer Abtheilung Grenzer besetzt geblieben. 2) Etwa 3 Escadronen dieses Corps waren bei Breslau zurückgelassen, die übrigen 4 Escadronen gegen Oppeln und Krappitz detachirt worden. 12*