Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
Der Feldzug’ 1761 in Schlesien und Sachsen. 165 2 Grenadier-Compagnien und 12 Escadronen, circa 4600 Mann mit 12 Geschützen, verstärkten Corps am 20. nacli Schweinsdorf vor und schickte von da Oberst Barco mit etwa 300 Mann Grenz-Infanterie und 250 Reitern zur Besetzung von Oppeln ab. Am selben Tage traf GFWM. Caramelli im Hauptquartier Laudon’s ein und brachte die Naclmcht mit, dass die russische Haupt-Armee am 19. zu Wartenberg eingetroffen sei. König Friedrich hatte indessen noch im Laufe des 20. Juli von der Bewegung Laudon’s Kenntniss erhalten und entschloss sich am folgenden Tage, in der Richtung über Nimptsch abzumarschiren, um die innere Linie zwischen den beiden Armeen der Verbündeten nicht zu verlieren und sich ihrer Vereinigung widersetzen zu können. Nach diesem Plane hatte der König sich vorgenommen, die Vertheidigung Schlesiens durchzuführen, doch verhielt er sich bei dessen Ausführung gegen seine beiden Gegner principiell nicht in gleicher Weise. Wiederholt sprach er denn auch den, für sein ganzes Vorgehen während der nun zu beschreibenden Feldzugs - Epoche massgebenden Grundsatz aus, vor allem Laudon, als seinen gefährlicheren Gegner, scharf im Auge zu behalten und nur auf dieser Seite, wenn noting, oder wenn die Gelegenheit hiezu günstig wäre, eine Entscheidung zu suchen. Den Russen gegenüber wollte er sich jedoch, in Würdigung der Qualitäten ihrer Führer, sowie in Rücksicht auf die Verhältnisse am St. Petersburger Hofe, stricte in der Defensive halten, da er erwarten durfte, dass, wenn die Österreicher geschlagen wären, sich auch die Russen sofort zurückziehen würden. Dem vorstehenden Grundsätze entsprach die Anordnung des Marsches am 21., welcher letztere speciell auch bezweckte, Laudon nahe zu bleiben und demselben den Weg an die Oder sperren zu können. Schon um 3 Uhr Früh brach an diesem Tage die Armee des Königs auf, und sie erreichte nach einem Marsche von 4'/, Meilen (34km) die Gegend von Siegroth (3/t Meilen [5-7km] osö. Nimptsch). Laudon, welcher sich am 20. entschlossen hatte, am nächsten Morgen seine Stellung südwestlich Frankenstein mit einer solchen im Osten dieser Stadt zu vertauschen, erhielt frühzeitig Kenntniss vom Abmarsche des Königs, doch schien die Bewegung -des Letzteren, nach den ersten Meldungen gegen den linken Flügel der österreichischen Stellung gerichtet, was den Feldzeugmeister veranlasste, die weitere Entwicklung der Dinge an Ort und Stelle abzuwarten. Erst bei Tagesanbruch wurde die wahre Richtung der feindlichen Bewegung erkannt und nun brach auch die österreichische Armee, 75 Bataillone, 4 Grenadier-Compagnien, 147 Escadronen, das ist circa 65.800 Mann mit 260 Geschützen, auf, um das bereits ausgesteckte Lager bei Stolz zu beziehen. Münsterberg lag in der rechten Flanke der neuen Stellung, Seitendorf vor deren linkem Flügel; das Hauptquartier kam nach Olbersdorf. Brentano rückte mit der Avantgarde gegen Kloster