Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

142 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. dadurch aber die russische Haupt-Armee ausser Stand gesetzt hätte, der gemeinschaftlichen Sache einen wesentlichen Dienst zu leisten.“ Damit war die Verlegung des Schwerpunktes der Kriegführung nach Schlesien auch von Seite der Verbündeten ausgesprochen, die Offensive auf diesem Theile des Kriegsschauplatzes beschlossen. Dazu kommt, dass die Befürchtungen für die rechte Flanke der Franzosen sich mittlerweile als gegenstandslos erwiesen hatten, nachdem die im April nach Thüringen und dem Voigtlande entsendeten preussischon Truppen schon um die Mitte dieses Monates in ihre früheren Canton- nirungen zurückgegangen, beim Aufbruch e des Königs nach Schlesien aber an die Elbe gezogen worden waren. Es liess sich ferner erwarten, dass König Friedrich nunmehr den Feldmarschall Daun in Sachsen nur beschäftigen, in Schlesien aber seine Hauptkraft dazu verwenden werde, um die Vereinigung der Österreicher und Russen zu hindern '). Aus dieser gänzlich veränderten Situation ergab sich für Österreich die Nothwendigkeit einer entsprechenden Verschiebung der Kräfte und neuen Vertheilung der Aufgaben. Sollte die projectirte Vereinigung der österreichisch-russischen Streitkräfte in Schlesien gesichert erscheinen, so musste jede der diesem Ziele zustrebenden Armeen dem Könige gewachsen sein, und diese Erwägung führte zu dem Entschlüsse, nur so viel Truppen in Sachsen zu lassen, als zur Abwehr einer feindlichen Offensive und spcciell zum Schutze Dresdens nothwendig wären, den ganzen Rest aber auf das schlesische Operationsfeld zu werfen2). Für den ersteren Zweck hielt man, abgesehen von der Reichs- Armee, eine den preussischen Streitkräften in Sachsen gleiche Truppen­zahl, und zwar exclusive der leichten Truppen und der Besatzung von Dresden, für ausreichend3). Die Armee des Prinzen Heinrich schätzte man auf 40.000 Mann. Von 70.700 Mann Linien- und 12.300 Mann leichten Truppen, über welche Feldmarschall Daun mit Ende April in Sachsen verfügte, waren somit 30.000 Mann Linien-Truppen daselbst entbehrlich, die nebst 6000 Mann leichter Truppen nach Schlesien abgesendet werden sollten. Durch diese Massregel hoffte man Russland auch eine ausreichende Compensation dafür zu bieten, dass die erste der Forderungen, welche der St. Petersburger Hof an die Verwirk­lichung des neuen Operationsplanes geknüpft hatte, nicht mehr buch­stäblich erfüllt werden konnte, nachdem König Friedrich, ohne dass Daun ihn daran gehindert hätte oder ihm gefolgt wäre, nach Schlesien marschirt war. •) Cabinet-Schreiben der Kaiserin an FZM. Laudon vom 8. Mai. Kriegs- Archiv 1761; Fase. V, 24, Acten des Laudon’schen Corps. 2) Cabinet-Schroiben der Kaiserin an Feldmarschall Daun vom 8. Mai. Kriegs- Archiv 1761; Fase. V, 4, Cabiuets-Acten. 3) Cabinet-Schreiben der Kaiserin an Feldmarschall Daun vom 11. Mai. Kriegs- Archiv 1761; Fase. V, 10, Cabinets-Aeten.

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