Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen

140 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. Laudon’s, in Marsch zu setzen. Eine andere Heeresabtheilung sollte, von der Flotte unterstützt, die Belagerung von Colberg unternehmen. An die Ausführung dieses Planes knüpften sich nachstehende Bedingungen: Feldmarschall Daun sollte den König in Sachsen fest- halten und beschäftigen; wenn ihm dies aber nicht gelänge, dem Letzteren auf dem Fusse folgen. Das österreichische Corps in Schlesien wollte man auf einen Stand von 50.000 Combattanten gebracht und durch FZM. Laudon befehligt wissen. Für Letzteren wurde unumschränkte Vollmacht ver­langt, alle Massnahmen unmittelbar mit dem russischen Feldmarschall zu verabreden. Weiters ward noch die Bereithaltung eines Belagerungs- Artillerie-Parkes für die Verwendung in Schlesien, die Anlage der nöthigen Magazine in Glatz zur Verpflegung der russischen Armee, während ihrer Vereinigung mit den österreichischen Truppen, und endlich eine kategorische Antwort bezüglich der Annahme oder Nicht- annahme des ganzen Planes gefordert. Letztere erfolgte sofort im bejahenden Sinne. Die Gründe, welche Maria Theresia bewogen, von ihren früher ausgesprochenen Ansichten über den Operationsplan abzugehen, wie auch jene Momente, welche die Sinnesänderung in St. Petersburg ver­anlasst haben mochten, gibt ein Schreiben der Kaiserin an den Feld- marschall Daun vom 8. Mail), dessen Ausführungen nachstehend im Wortlaute folgen: „Wie Euch ohnedem wissend ist, so hat zwar Graf Esterházy verschiedentlich einberichtet, dass ihm von dem russischen Ministerium zu Abschickung eines Hilfs- Corps nach Ober - Schlesien Hoffnung gegeben werde. Weil aber allezeit die Bedingung hinzugefügt war, dass dieses Corps sich nicht mit Meinen Truppen vereinigen, sondern besonders agiren sollte, so habe Ich cs dabei bewenden lassen, dem Grafen Esterházy zu bedeuten, dass Ich mit der Operation der russi­schen Armee in Pommern einverstanden sei, und dass ein Corps russischer Truppen, welches sich mit den Meinigen nicht vereinigen sollte, mehr schaden als nutzen dürfte. „Diese russischen Anwürfe scheinen in der Absicht geschehen zu sein, dass Ich mehr Eifer wegen des erwähnten Corps bezeigen und dadurch Gelegenheit, vortheilhaftere Bedingungen von Mir anzu­verlangen, geben würde. Seitdem aber der genannte Hof sowohl in dieser, als mehreren anderen gemeinschaftlichen Angelegenheiten einige Gleichgiltigkeit bei Mir wahrgenommen und mehr erwogen haben mag, dass eine frühzeitige Belagerung der Stadt Colberg und die Anlegung eines dortigen Magazins nicht thunlich, auf die schwedischen Truppen nicht zu zählen, Pommern und die Neumark Brandenburg bereits an *) *) Kriegs-Archiv I7ül; Fase. V, 5, Cabinets-Acten.

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