Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Hauptmann Jihn des Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen
125 Der Feldzug 1761 in Schlesien und Sachsen. Politische Lage im Beginne des Jahres 1761. Das Kriegsjahr 1760 war im Grossen und Ganzen resultatlos verlaufen. Der Sache nach hatte dies einen Gewinn für König Friedrich zu bedeuten, da dieser bei dem, von vornherein ungleichen Kampfe sich nicht wohl eine andere Aufgabe hatte stellen können, als eine entscheidende Wendung des Krieges mit allen Mitteln hinauszuschieben, seine Gegner zu ermüden und sie auf diese Art zum Aufgehen ihrer militärischen und politischen Ziele zu bewegen. In der That war auch die Erschöpfung fast aller am Kriege betheiligten Mächte schon sehr gross geworden und das Friedens- bedürfniss ein allgemeines. Es entsprach also ganz den Zielen des Königs, wenn er, in Rücksicht auf den Zustand seiner Staaten und das Zusammenschmelzen seiner Streitkräfte durch die letzten verlustreichen Waffengänge mit der österreichischen Armee, den Frieden herbeizuführen trachtete und hiezu auch, den für ihn günstigen Zeitmoment benützend, schon unmittelbar nach der Schlacht bei Torgau durch den in österreichische Kriegsgefangenschaft gerathenen Oberst Schwerin neue Verhandlungen anzuknüpfen versuchte *). Anderseits konnte Maria Theresia, wenn sie sich gleich nicht verhehlen mochte, dass der Krieg auch das Mark des eigenen Volkes aufzuzehren drohe, in Rücksicht auf die Grösse der bereits gebrachten Opfer ihre Sache noch nicht verloren geben und zum Frieden die Hand bieten, bevor eine letzte, äusserste Anstrengung gemacht war, um das vorgesteckte Ziel, die Wiedererwerbung von Schlesien oder wenigstens eines Theiles desselben, zu erreichen. Zu Beginn des Jahres 1761 standen indess die Verhältnisse für die Fortsetzung des Kampfes sehr ungünstig, denn es traten zu der eigenen Erschöpfung auch noch widrige äussere Einflüsse hinzu. Der Gesundheitszustand der Kaiserin Elisabeth von Russland wurde von Tag zu Tag bedenklicher, so dass ihr Ableben in nahe Aussicht gestellt schien. Bei der Verehrung, welche Grossfürst Peter, ihr präsumtiver Nachfolger, für die Person des Königs von Preussen Arneth „Maria Theresia und der siebenjährige Krieg“, II. 214 und 215. 9*