Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)

Major Wiener des Generstabs-Corps: Das Corps des FML. Friedrich Freiherrn von Hotze in Feldzuge 1799

beiden Flanken dieser langen Communication aufstellte, gerieth man leicht in eine Verzettelung der Kräfte. Denn zur Erfüllung aller dieser Zwecke reichten die Streitkräfte Hotze’s nicht aus. Weder einen Rhein-Ubergang zwischen Bregenz und Feldkirch, noch einen kräftigen Vorstoss der Franzosen aus dem Prättigau in das Montafoner Thal vermochte Hotze mit seinen eigenen Kräften zu hindern; dadurch wäre aber eine Trennung des Corps in zwei Theile und der Verlust der Stellung bei Bregenz, sowie die Gefangennahme eines Theiles des Truppen-Corps möglich geworden. Hotze dachte daher auch an eine Räumung der Stellung bei Feldkirch, sobald nur bestimmte Nachrichten über eine Bedrohung der Verbindung mit Bregenz einlaufen würden. Ohne diese zwingende Noth- wendigkeit wollte er jedoch Feldkirch nicht aufgeben; denn der Verlust von Vorarlberg und der kürzesten und besten Verbindung mit Tirol, dann ein sehr übler Eindruck auf die Bewohner, welche sich zur Verteidigung ihres Landes den kaiserlichen Truppen angeschlossen hatten, wäre die natürliche Folge gewesen. Wenn auch der Erzherzog Carl, welcher an Stelle der abdispo- nirten Brigade Jellachich die beiden Divisionen Reuss und Baillet, fünfzehn Bataillone, nach Weiler bestimmte, den FML. Hotze ermächtigt hatte, in dringenden Fällen diesen Truppen Verstärkungen zu ent­nehmen, so lag doch die Sicherheit der Verbindung mit Tirol, der vom Prättigau aus bedrohten Thäler des Montafon, der Paznaun, dann des Kloster-, Stanzer- und obersten Lech-Thales, auch im eigensten Interesse der Armee in Tirol. FML. Bellegarde kam den Anforderungen Hotze’s, soweit die heftigen Kämpfe im Engadin und die zerstreute Aufstellung seiner Truppen dies gestatteten, nach Möglichkeit nach. Er detachirte die Brigade des Obersten Graf St. Julien, fünf Bataillone, in die Gegend von Landeck und erweiterte dessen erste Aufgabe, die eventuell aus dem Rhein-Thal über den Arlberg zurückweichenden Truppen aufzu­nehmen, bald dahin, dass St. Julien seine Hauptreserven bei Pians, westlich Landeck, verhältnissmässige Truppen-Abtheilungen bei Galthür und Ischgel im obersten Paznauner Thal und auf dem Arlberge auf­zustellen habe; Vortruppen sollten in das Montafoner- und Klosterthal vorgetrieben werden. Dem genannten Commandanten war noch befohlen worden, offensiv zu handeln. Die grossen Besorgnisse Hotze’s vor einem Einbrüche der Franzosen in das Montafon waren übrigens mehr auf übertriebene Nachrichten der Landesbewohner, welche die Zugangslinien aus Grau­bünden durch reguläres Militär besetzt sehen wollten, als auf That- sachen zurückzuführen. Um nach dieser Seite hin noch mehr beruhigt zu sein, schickte Hotze die bei Ausbruch der Feindseligkeiten von der Tiroler Armee

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