Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1884)
Major Wiener des Generstabs-Corps: Das Corps des FML. Friedrich Freiherrn von Hotze in Feldzuge 1799
Das Corps des FML. Friedrich Freiherr von Hotze im Feldzuge 1799. 107 Erfolg. Yor den daselbst übergegangenen Franzosen zogen sich die österreichischen Abtheilungen in die Befestigung des Luziensteiges zurück, welche nunmehr vom 2. Gradiscaner und von Theilen des 1. Brooder und des 3. Bataillons vom Infanterie-Regiment Nr. 00 vertheidigt wurden. Die Franzosen schlugen eine Bockbrücke bei Atzmoos (westlich Balzers) und Hessen hier auch jene Truppen den Fluss überschreiten, welche bei Fläsch und an der unteren Zollbrücke zurückgewiesen worden waren. Nach Ansammlung einer hinreichenden Truppenzahl am rechten Ufer schritt Massena unverzüglich zum Angriffe des Luziensteiges. General Auffenberg hatte, nachdem es ihm geglückt war, die erwähnten Versuche der Franzosen zur Forcirung des Rhein-Uberganges bei Fläsch und Ragatz zurückzuweisen, die unangenehmen Nachrichten vom Verluste des Kunkels-Passes und der Stellungen bei Tamins und Reichenau erhalten. Da die Franzosen bereits gegen Ems vorrückten, eilte der General nach Chur, um den gefahrdrohenden Ereignissen auf seinem linken Flügel nach Möglichkeit zu begegnen. Er rechnete dabei mit Sicherheit auf eine hartnäckige Vertheidigung und die Behauptung der Verschanzungen am Luziensteig, sowie auf eine kräftige Unterstützung durch das Corps in Vorarlberg. Während aber der genannte General die Sachlage bei Ems zu seinen Gunsten zu gestalten suchte, traf seinen rechten Flügel das vollste Missgeschick. Die Franzosen bemächtigten sich des Luziensteiges und bald danach der Punkte Fläsch und der unteren Zollbrücke. Die k. k. Truppen wichen in Unordnung zurück. Der rasche Verlust des Luziensteiges ward einestheils durch die Unvertrautheit der Truppen mit der Umgebung, anderenteils durch die gänzliche Vernachlässigung der Flanken gegen das Dorf Guscha und gegen die Melser und Fläscher Höhen herbeigeführt. Der Feind konnte die Stellung ohne Schwierigkeiten umgehen und von allen Seiten mit Übermacht angreifen. Die Österreicher verloren dabei viele Leute, darunter auch ihren tapferen Commandanten Oberstlieutenant Leopold von Hasslinger. Dem General Auffenberg gelang es zwar, die bis Ems vorgedrungenen Franzosen wieder über den Rhein nach Reichenau zurückzutreiben. Am Abend des ö. März war seine Lage jedoch immerhin eine bedenkliche geworden. Die Verbindung mit Vorarlberg war unterbrochen, die Franzosen hatten sich auf der wichtigen Communication mit bedeutender Kraft festgesetzt; durch den Verlust von Reichenau waren weiters alle im Vorder-Reinthal stehenden Truppen-Abtheilungen vom Gros abgeschnitten. Ein gleichzeitig von Mayenfeld und Reichenau auf Chur mit Übermacht unternommener Vorstoss des Gegners wäre daher für die Vertheidigung der Stellung bei letztgenanntem Orte verhängnissvoll geworden. Der General Auffenberg nahm am Abend seinen rechten Flügel hinter die Landquart zurück (acht Compagnien) und verstärkte