Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1883)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreichs Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreiches gegen die französische Revolution

70 Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr etc. hinderten ihn, mit seiner früheren Schnelligkeit an die verschiedenen Punkte sich zu begeben, wo Anordnungen zu treffen waren, und so gingen Gelegenheiten verloren, aus denen sich grosser Vorth eil hätte ziehen lassen“ '). Über den Zustand des Heeres, die Pläne und Anordnungen des Königs nach dem Abzüge aus Böhmen, spricht sich dessen Corre- spondenz mit dem Prinzen Heinrich wie folgt aus: Die Betheiligung Russlands an dem Kriege werde den Prinzen in den Stand setzen, ein Corps seiner Armee in Böhmen überwintern zu lassen, da hiedurch mindestens 30.000 Österreicher paralysirt würden. Eine Macht von dieser Stärke nämlich müsste der Kaiser nach dem Eintritte der Russen in die Action zur Deckung Lodomeriens und Ungarns detachiren. Sobald dies geschehen, werden Truppen nach Ober- Schlesien rücken und 10.000 Mann bei Löwenberg Aufstellung nehmen, die mit dem bei Zittau unter dem Befehl des General-Lieutenants von Anhalt-Bernburg stehenden Corps von 22 Bataillonen, 18 Esca- dronen im Einvernehmen zu handeln haben. Der Feind scheine Ab­sichten auf die Lausitz zu haben (Anfangs September). Der Kaiser wolle in Mähren und Schlesien passiv bleiben und London gegen Sachsen streifen und demonstriren lassen, um sodann in die Lausitz einzufallen. Für diese Eventualität würden von Löwenberg, Landshut und Schatzlar 28 Bataillone, 38 Escadronen von der I. Armee nach Görlitz rücken, indess die II. Armee Schluckenau und Rumburg besetzt. Die Dyssenterie sei so allgemein geworden, dass Niemand davon ver­schont geblieben sei. Zur Bespannung der Geschütze, Fortbringung der Verpflegung und Remontirung der Reiterei benöthige das Heer 50.000 Pferde, die angekauft werden sollen, und doch müsse man mit der Anschaffung derselben behutsam zu Werke gehen, weil Der­jenige nur den Frieden dictiren könne, der am Ende des Krieges den letzten Thaler in der Tasche behalte. Die Armee des Königs beginne die Winterquartiere zu befestigen, um sich hiedurch gegen die Unternehmungen des Feindes zu sichern (Monat October). Prinz Heinrich berichtete dagegen an den König, dass er ange­sichts der Anhäufung der k. k. Truppen in dem Gebirgsgelände von Königswalde bis Nollendorf bei Eintritt des Regenwetters nicht gewusst hätte, wie er den Rückzug aus Böhmen hätte bewirken sollen. Nur mit der grössten Mühe und Anstrengung habe er das Regiments­geschütz zurückgebracht; seine sämmtlichen Artillerie-Bespannungen seien zu Grunde gerichtet. Der II. Armee gehen gegen 3000 Pferde ab; die Artillerie müsse mittelst der Vorspann fortgebracht werden. Er betheuere, dass er noch niemals so viele todte Pferde auf den Strassen und Wegen liegen gesehen habe, als gegenwärtig auf der ') Raumer: „Beiträge zur neueren Geschichte“.

Next

/
Thumbnails
Contents