Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1883)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreichs Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreiches gegen die französische Revolution

64 Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr etc. zu Grunde richten. Aus diesen Erwägungen drang Josef II. in Wien fortwährend auf energische Massnahmen zur Fortsetzung des Krieges bis zum Äussersten, auf Verwerfung aller mit der Demiithigung der Monarchie zu erkaufenden Friedensbedingungen oder Angebote. In Folge dieser Verschiedenheit der Meinungen und Gegensätz­lichkeit der Anschauungen machte sich eine kleine Spannung in den Beziehungen Josefs II. zu seiner erlauchten Mutter, der Kaiserin Maria Theresia geltend, welche Letztere durch die Sendung des k. k. Oberst­kämmerers Graf Rosenberg in das grosse Hauptquartier der Armee beseitigen wollte, wie aus nachstehendem Briefe des Kaisers vom 27. August zu entnehmen ist: „Die Mission Rosenberg’s,“ schreibt der Kaiser, „in mein Haupt­quartier ist mir nicht willkommen. Ein Dritter kann niemals zwischen uns Beiden vermitteln. Es sind nur zwei Fälle denkbar: entweder wünschen Euer Majestät meine Meinung zu erfahren, und ich gebe diese so ab, wie ich die Dinge betrachte, mit Freimuth und ohne Umschweife, oder Sie ertheilen mir einen Befehl, und ich werde ihn dann buchstäblich vollziehen. Ich habe von dem Anerbieten zur Rück­erstattung Bayerns nur zur Zeit gesprochen, als es sich um den Abschluss eines Friedens um jeden Preis handelte; in dem jetzigen Augenblicke aber, wo es zu dem Bruch der Unterhandlungen in Braunau gekommen, perhorrescire ich gänzlich die Herausgabe. Wir müssen entweder denFrieden sobald als möglich bedingungslos schliessen, oder den Krieg auf Leben und Tod führen, indem wir alle Mittel aufbieten und uns zu diesem Zwecke von Allem berauben. Die Mediation, die Neutralität etc., alle diese diplomatischen Auskunfts­mittel sind an sich schön und gut; doch ist zu bedenken, dass wir rasche Rettungsmittel vonnöthen haben; entweder den König von Preussen gewähren lassen und die Feindseligkeiten einstellen oder für diesen Winter verzichten, ihn zum Abziehen von Prag und aus dem übrigen Theile von Böhmen zu zwingen; mit diesen Worten ist Alles gesagt. Prag ist nämlich nur mit einer ganzen Armee zu vertheidigen, und diese wäre dann verloren.“ Operationen in Mähren-Schlesien. Nach dem Abmarsche des Herzogs Albrecht von Sachsen-Teschen mit 18 Bataillonen und 30 Escadronen von Mähren zur Verstärkung der Armee in Böhmen im ersten Drittel des Monats Juni war FML. Marquis Bottá in der Stellung an der Mohra bei Hof unthätig ge­blieben. Diese dem mährischen Corps in Folge des allgemeinen Kriegs­planes aufgedrungene Passivität wurde nur durch Detachirung zahl­reicher Streifparteien über die Grenze nach Preussisch-Schlesien unter­brochen. General-Lieutenant v. Werner, welcher mit 2 Bataillonen und

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