Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Originalbriefe König Friedrich's II. im Kriegs-Archive zu Wien (1759 bis 1760)
stehenden Österreicher zn recognosciren. Durch die Wachsamkeit des schon mehrmals erwähnten General-Majors Jahnus kam dieser Auftrag zwar den Preussen ziemlich theuer zu stehen, doch fiel eine entscheidende That auf diesem Theile des Kriegsschauplatzes in der begonnenen Campagne nicht mehr vor. General de Ville, welcher den FZM. Harsch hatte ersetzen müssen, versuchte allerdings das Corps Fouqué von den schlesischen Festungen abzuschneiden; er konnte aber nicht bei Gottesberg (Konradswalde) reussiren und musste auf Umwegen nach Braunau zurückweichen, worauf sich auch Fouqué nach Landshut zurückzog. Daun war mit der Hauptarmee dem Könige gefolgt und hatte seine Vortruppen bei Krossen bis an die Oder vorgeschoben, als ihn das Verhalten der Küssen belehrte, dass diese für das gegenwärtige Jahr genug gethan zu haben glaubten. Er zog deshalb in eine Stellung unweit Bautzen und später in eine vollends unangreifbare Position bei der, den Preussen unlängst (4. September) durch die Reichsarmee entrissenen Hauptstadt Dresden. Friedrich II. hatte das Corps des Prinzen Heinrich an sich gezogen und war Daun nach Sachsen gefolgt, scheute aber den Angriff auf den, eine taktische Entscheidung wünschenden Gegner und begnügte sich, den General Fink mit 13.000 Mann nach Maxen auf die Rückzugslinie des kaiserlichen Heeres zu detachiren. Anstatt sich hiedurch in seinem Ausharren bei Dresden beirren zu lassen, traf Daun Maassregeln zur Umzinglung des Generals Fink, welche so meisterhaft ausgeführt wurden, dass die Reste des feindlichen Corps am 21. November die Waffen strecken mussten. Dieser Schlag, einer der schwersten, welche jemals Friedrich H. betroffen, war noch nicht das letzte Unglück des für Preussen verderblichen Jahres 1759. Daun blieb nämlich, ungeachtet der schon eingetretenen strengen Winterkälte, in seiner unnahbaren Stellung und zwang dadurch den König, die hart mitgenommenen preussischen Truppen bei Wilsdorf concentrirt zu halten. Auch eine Waffenruhe trat vorerst noch nicht ein und noch am 3. December gelang es dem FML. Beck, unweit von Meissen, das kleine Corps des General- Majors Diericke sammt dem Commandanten aufzuheben. FZM. Laudon *) hatte sich Mitte November von den Russen getrennt und war mit seinem Corps, theilweise durch polnisches Gebiet, nach Österreichisch-Schlesien geeilt, wo er mit dem General Fouqué einen Waffenstillstand bis zum nächsten Frühjahre abschloss. Originalbriefe König Friedrich’s II. im Kriegs-Archive zu Wien. 49 *) War am 20. November 1759 zum Feldzeugmeister ernannt worden. Mittheilungen des k. k. Kriegs-Archivs. 1882. 4