Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau

mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau. 43 Württemberg übernahm den Oberbefehl über die auf 26 Bataillone, 41 Escadronen, in Summa 14.000 Mann1), angewachsenen preussischen Streitkräfte. Am folgenden Tage vereinigte Lacy sein Corps, das in 10 Tagen 44 Meilen (334k,n) zurückgelegt hatte, vor Berlin, und war hienach entschlossen, mit Tagesanbruch des 9. October den Angriff an der Südseite der Stadt zu erneuern. Die russischen Generale wur­den aufgefordert, auch ihrerseits anzugreifen. Czernitschew hatte indessen am 8. October gleichfalls eine Ver­stärkung von 9 Bataillonen und 5 Escadronen unter General Panin erhalten, welche ihm von Fermor, der am 5. mit 2 Armee-Divisionen bei Lassow (1 Meile p'ö'1'”] s. Frankfurt a. d. Oder) eingetroffen, zugeschickt worden war. Damals drängte General en chef Fermor, trotz des heftigsten Widerstrebens Soltikoff’s, noch dazu, Berlin um jeden Preis zu ge­winnen, ja er wollte sogar mit der ganzen Armee dahin marschiren. Aber schon mit dem 7. October war, mit der Rückübernahme des Armee-Commando’s durch Soltikoff, die entgegengesetzte Strömung zur Herrschaft gelangt, und Czernitschew hatte von diesem Augen­blicke an auf Unterstützung nicht mehr zu rechnen. Nach dem Eintreffen Panin u ’fügte Czernitschew über 19 Ba­taillone, 28 Escadronen, und die vor Berlin stehenden russischen Truppen zählten jetzt mindestens 23.000 Mann. Trotz dieser bedeutenden Kräfte glaubte Letzterer noch immer einen Angriff der vereinigten preussischen Corps fürchten zu müssen, und wollte sich in Folge dessen auf Köpenick zurückziehen. Nur dadurch, dass der französische Militär-Bevollmächtigte, Marquis Montalembert, das Eintreffen Lacy’s zum Anlasse energischer Einsprache nahm, wurde Czernitschew von diesem Vorhaben zurückgebracht und dazu bestimmt, am Morgen des 9. October gleichfalls anzugreifen. Auf diese Weise fand Lacy’s Aufforderung im russischen Haupt­quartier das gewünschte Entgegenkommen. Das österreichische Corps war also eben noch rechtzeitig ein­getroffen, um zu verhindern, dass die Russen unverrichteter Sache abzogen. 42.000 Verbündete standen jetzt zum Angriffe auf Berlin bereit. Im preussischen Lager hatte man von dem Anwachsen der feindlichen Macht gleichfalls Kenntniss erhalten. Die Wahrscheinlich­keit einer blutigen Entscheidung, deren Ausgang bei dem beiderseitigen Kräfteverhältnisse kaum mehr zweifelhaft sein konnte, wuchs mit jedem Augenblicke, und man musste für die Stadt, an deren Schonung viel gelegen war, in einem solchen Falle das Schlimmste befürchten. *) *) Nach Angabe des preussischen Generalstabs-Werkes. Wahrscheinlich ist diese Ziffer etwas zu niedrig gegriffen.

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