Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)
Friedrich Jihn, Hauptmann im k. k. Generalstabs-Corps: Der Feldzug 1760 in Sachsen und Schlesien mit besonderer Berücksichtigung der Schlacht bei Torgau
40 Der Feldzug 17G0 in Sachsen und Schlesien Die Stellung bei Torgau war dadurch für Hülsen verloren. Zudem wurde auch dessen Unternehmung gegen Luszenskv und Württemberg ein Luftstoss, da die auf’s rechte Elbe-Ufer übergegangenen Truppen derselben schon wieder auf’s linke zurückgekehrt waren. Im freien Felde konnte sich Hülsen der Reichsarmee nicht mehr entgegenstellen ; # sah sich daher zum Rückzuge auf Wittenberg genöthigt, das er am 30. September erreichte. Der Prinz von Zweybrücken liess nun Torgau zur Übergabe auffordern, und wirklich capitulirte dasselbe am 27., hauptsächlich unter dem Einflüsse der deprimirenden Eindrücke des vorhergegangenen Tages. Mit diesem wichtigen Punkte fielen der Reichsarmee 62 Offi- ciere und 2438 Mann an Gefangenen, 16 Fahnen und 29 Geschütze, sowie sonstiges Kriegsmaterial in die Hände. Am 28. September überschritt die Reichsarmee bei Dommitzsch die Elbe und folgte dem Corps Hülsen über Jessen. Ihre am linken Elbe - Ufer zurückgelassenen Detachements bemächtigten sich am 29. der Wittenberger Brtickenschanze, und am 2. October brach das bei Elster (l3/t Meile [13‘3km] osö. Wittenberg) angelangte Gros derselben gegen Wittenberg auf, um Hülsen daselbst erneuert anzugreifen. Aber wie bei Strehla, so kam auch hier nur ein kleiner Theil der Reichsarmee zum Gefechte. Es war das Grenadier-Corps, welches den preussischen linken Flügel umfassend angriff, ohne durchdringen zu können, weil sich das Gros in der Front auf eine Kanonade beschränkte. Gegen Abend erreichte das letztere, welches sich in der Folge unter dem Schutze des Grenadier-Corps gegen Nordwesten gewendet hatte, um die Flanke des Gegners zu gewinnen, Schmilkendorf (6’8km n. Wittenberg), und nöthigte dadurch Hülsen zum Rückzuge. Letzterer brach um 11 Uhr Abends auf, und erreichte am 3. Mühlstädt (4‘5km n. Roslau), am 5. October Beelitz. Leipzig wurde über Ilülsen’s Befehl am 4. October von der Besatzung geräumt, welche letztere nach Vernaglung der Kanonen nach Magdeburg abzog. Die Reichsarmee schloss nun am 3. October Wittenberg ein, und schickte sich, da die Aufforderung zur Übergabe zurückgewiesen wurde, zur Belagerung an. Am II. October wurde die erste Parallele eröffnet und am Morgen des 13. begann die Beschiessung, durch welche das Feuer der Festung binnen wenigen Stunden so weit gedämpft war, dass zum Sturm auf den gedeckten Weg geschritten werden konnte. Dieser gelang, und veranlasste den Festungs-Commandanten, im Vereine mit den in der Stadt ausgebrochenen Bränden, deren die Besatzung nicht