Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Gustav Gömöry von Gömör, Hauptmann im k. k. Kriegs-Archive: Die Invasion Ober-Österreichs und die Wiedereroberung von Linz 1741/42

420 Oie Invasion Ober-Österreichs und die Wiedereroberung von Linz 1741/42. hausen, Fürst Lobkowitz und Graf Khevenhüller beigezogen wurden, über die Art und Weise, wie der nahenden Gefahr zu begegnen wäre. Man verständigte sich dahin, rasch eine Armee zu sammeln, welche dem Eindringen der Franco-Bayern die Stirn bieten sollte (Ende Juli). Um diese Zeit befanden sich in Ober-Österreich nur zwei Dra­goner-Regimenter, Savoyen (13) und Khevenhüller (1801 reducirt), zu welchen man aus Ungarn die nächst dislocirten vier Reiter-Regi­menter: Bernes (Dragoner 7), Carl Pálffy (1775 reducirt), St. Ignon (4) und Lubomirsky (2), dann die drei Fuss-Regimenter: Moltke (13) Waldeck (35) und Seckendorf (18) heranzog. Ferner beschloss man dem Warasdiner Generalate 2000 Mann zu Fuss nebst einigen Hun­derten zu Pferd und der slavonischen Grenze ebenfalls 2000 Mann zu entnehmen. Auch trug man Hoffnung auf einige hundert Theisser und Maroscher Grenzer zu Pferd. Den Oberbefehl über diese Truppen erhielt Feldmarschall Georg Fürst Lobkowitz. Die Regimenter wurden alsbald durch Nieder-Österreich auf Linz instradirt. Der dienstbare Stand der Fusstruppen mochte 6500, der der Reiterei 3500 Mann betragen haben. Indessen setzte Kriegs-Commissär FML. Graf Salaburg seine Berathungen, was Alles zu einer standhaften Gegenwehr zu thun sei, mit den oberösterreichischen Landesständen emsig fort. Bei diesen Verhandlungen überzeugte man sich von der Schwie­rigkeit, ein gegen Bayern hin offen liegendes Land — ohne angemessene Streitmacht •— vertheidigen zu sollen. Es wurde viel für und gegen die Einberufung des Landes-Aufgebotes gesprochen, schliesslich doch die Errichtung einiger Schützen - Compagnien, die Befestigung des an einem Arme der Donau (westlich von Mauthausen) gelegenen und zur Sperrung dieses Stromes geeigneten Schlosses Spillberg (Spiel­berg), die Aufwerfung von Erdwerken an der Enns-Linie und die Besichtigung der Landesgrenzen durch Ingenieure *) beschlossen. Anfangs August war Lobkowitz mit dem FML. Carl Grafen Pálffy in Linz eingetroffen. Ersterer verfügte, dass die Regimenter Savoyen und Khevenhüller sich sammeln und zur Beobachtung der Grenze Abtheilungen bei Haag und Paierbach aufstellen. Die für die ') Die Reichsgrenze gegen Bayern (Ober-) durchschnitt das heutige Inn-Viertel und zog südlich von Engelhartszell an Paierbach vorbei auf Riedau (am Pram-Bach), von hier über Pram, Haag, Ampfelwang, Frankenburg, Jägerhäusel nach Wildenegg. Die Grenze gegen das Erzstift Salzburg strich südöstlich über St. Lorinz, am süd­lichen Theil des Mann (Mondsee) , zwischen Atter- und Münchsee, entlang dem Dindlbaehe, auf St. Wolfgang, der Ischel, dem Diern-Bach, Gosach (Gosau-Pass) zum Mandling an der Enns. Am linken Donau-Ufer nördlich von Engelhartszell zwi­schen Haffnerzell und Rindei im Mühlviertel gegen Böhmen hin erstreckten sich des Stiftes Passau Grenzmarken.

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