Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 411 werden die Eingänge zur Vertheidigung eingerichtet. Nur gegen Bas­berg und Eger zu sei noch nichts geschehen. Am 10. Mai traf endlich die Cavallerie aus Galizien in der . Stärke von 10.000 Pferden bei der Armee ein. Die Kaiserin dankte dem Kaiser für die Mittheilungen seiner Gedanken über die Defensive, ..die niemals offensiv werden dürfe“. Der Abmarsch der Corps aus Galizien und Mähren beunruhige sie in hohem Grade, weil hiedurch nicht allein diese beiden Provinzen, sondern auch Ungarn und Österreich allen Einfällen und Streifungen preisgegeben, die Transporte und Verbindungen zwischen der Haupt­stadt und der Armee gefährdet werden. Durch ihr entschiedenes Ein­treten für den Frieden wolle sie den Kaiser keine demüthige und verächtliche Bolle spielen lassen. Man müsse sich für die Interessen der Monarchie schlagen, aber selbst bei gleichen oder dem König überlegenen Streitkräften sei keine Aussicht vorhanden, zu gewinnen. In der gegenwärtigen Constellation dürfe man weder auf Anlehen in Holland, noch auf Subsidien von Frankreich, die Österreich allein in Stand gesetzt haben, den letzten Krieg zu bestehen, mehr rechnen. Das trockene und warme Wetter rufe für die Feldfrüchte, namentlich für Heu und Hafer die ernstesten Besorgnisse wach. Wenn man zu lange an einer Stelle verweile, sei die Sterblichkeit im Allgemeinen, besonders aber bei den Pferden zu befürchten. Der Kaiser habe voll­ständige Kenntniss von den in Berlin geführten Verhandlungen. Ihrer Ansicht nach müsste ein Entwurf zu einem Übereinkommen mit Preussen verfasst und darin gesagt werden: dies können und wollen wir aus Friedensliebe zugestehen und nichts mehr. Man müsste aber wissen, was man gestatten könne, und über das Maass der Zugeständ­nisse in Übereinstimmung sich befinden. In dem jetzigen Momente könnte über den grossen Austausch von ganz Bayern gegen die Niederlande keine Streitfrage mehr obwalten und es könnte sich nur noch um den Austausch geringer Gebietstheile handeln. Die Monarchie sei zum Unglück auf das weibliche Geschlecht gefallen und bedürfe des ganzen Beistandes und der Thätigkeit des Kaisers, weshalb der Friede unerlässlich sei. Josef II. könnte nicht auf beiden Seiten, nämlich im Feldlager bei der Armee vor dem Feinde und in der Besidenz inmitten der Bevölkerung, sich befinden und müsste darauf sich gefasst machen, im Kriegsfälle schlecht unterstützt zu werden, da es an Menschen und Geld gebreche und diesen Uebelständen nicht zu steuern sei. Die Kaiserin sei verdriesslich, dieses Tableau dem Kaiser Vorhalten zu müssen; es sei aber nicht übertrieben, sondern unglücklicher Weise nur zu wahr. Es würde für sie nichts Schreck­licheres geben, als den Kaiser die Zeit vergeuden, sein eigenes Leben und das so vieler tapferer Männer, der Elite der Monarchie, ohne die mindeste Hoffnung auf einen Nutzen biosstellen zu sehen. Indem diese

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