Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 405 Berlin über Dresden bis zur Grenze Böhmens auseinander gezogenen Armeen der Preussen und Sachsen beängstigt. In der Eröffnung der Correspondenz mit dem Kaiser sali er sodann das Mittel, das Fehler­hafte in der Anlage des Feldzugsplanes durch das Hinhalten der Unter­handlungen zu verbessern, den Beginn der Operationen bis Ende Juni hinauszuschieben, um zu dieser Zeit vollständig schlagfertig zu stehen. Dagegen war der zur Friedenspartei in Berlin hinneigende, über die Verfassung und Schlagfähigkeit des k. k. Heeres, sowie über die fried­fertigen Dispositionen des Wiener Hofes besser unterrichtete Prinz Heinrich beständig bemüht, seinem königlichen Bruder die Grund­losigkeit der in Umlauf gesetzten Gerüchte darzulegen und ihn zu einer Handlungsweise der Mässigung zu bestimmen, da er über den Ausgang des Krieges nicht ganz ohne Besorgnisse war. Prinz Hein­rich schreibt nämlich im Verlaufe des Monates März und April an den König: Er theile seine Besorgnisse hinsichtlich einer Unternehmung der Österreicher auf Schlesien nicht und sei immerwährend überzeugt, dass der Wiener Hof den Frieden dem Kriege vorziehen werde. Der König möge sich mit der Aufstellung (strategischen Aufmarsch) der Armee nicht übereilen.. Es gäbe noch verschiedene Mittel, mittelst welcher man viel sicherer an’s Ziel gelangen könne, als durch den Krieg. Frankreich sei nicht verlässlich und der gute Wille von Russ­land durch die Verhältnisse in der Türkei gelähmt. Mit Klugheit und Geduld Hesse sich ein glücklicherer Ausgang herbeiführen, als es in dem Augenblicke den Anschein gewinnt. Der Einmarsch der Österreicher in Sachsen stände nicht so bald bevor, sie besässen überhaupt noch gar keinen Plan und könnten nach seinen Xachrichten erst Mitte April auf ihren Aufstellungspunkten in Böhmen eintreffen und vor dem 1. Mai kaum die Operationen beginnen etc. Die fernere Correspondenz des Königs mit dem Prinzen Heinrich, in der Zeit vom 21. April bis Ende Mai, beschränkt sich sodann grossentheils auf die Mittheilung, dass durch die zwischen Österreich und Preussen eingeleiteten Unterhandlungen das Ende des Monates Juni behufs Vervollständigung der Kriegsrüstungen erreicht werden würde. Dies sei für das königliche Heer von unendlicher Wichtigkeit. Bei dem Widerstreite der Interessen und Meinungen zwischen dem Wiener und Berliner Hofe gäbe es indessen kein Mittel, die Unter­handlungen einem glücklichen Ausgange zuzuführen. Wegen der Lausitz steigern sich seine Besorgnisse von Tag zu Tag. Kaunitz beabsichtige ihn — den König — zu täuschen, aber dies solle ihm nicht gelingen. Die dem Prinzen ertheilten Rathschläge und Instructionen gehen da­rauf hinaus, ihn in Stand zu setzen, vor den Österreichern in Sachsen und der Lausitz einzurücken. Da die Unterhandlungen in Berlin geführt werden, wird es Sache der preussischen Minister sein, den Prinzen einige Tage vor Abbruch derselben hievon in Kenntniss zu

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