Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1882)

Kaiser Josef II. als Staatsmann und Feldherr - J. Nosinich, Oberst im k. k. Kriegs-Archive: Österreich Politik und Kriege in den Jahren 1763 bis 1790; zugleich Vorgeschichte zu den Kriegen Österreichs gegen die französische Revolution

IV. Der bayerische Erbfolgekrieg 1778—1779. 389 Zu der I. Armee gehörten die Regimenter aus der Mark Branden­burg, Pommern und Schlesien, dann einige Regimenter aus Preussen; zu der II. Armee die Truppen aus dem Magdeburgischen, aus West- phalen, zum Theil aus Preussen, dann das chursächsische Hilfscorps unter Commando des Generallieutenants Graf Solms. Aufmarsch der Preussen und Sachsen. Am 4. Mai waren alle Truppen aus Schlesien, Preussen, Pommern und Brandenburg, welche die I. Armee unter dem Oberbefehle des Königs bildeten, in dem Aufmarschraume Reichenbach-Frankenstein- Mtinsterberg-Neisse versammelt. Im ersten Drittel des Monats April aber hatte Friedrich II. schon das grosse Hauptquartier von Frankenstein nach dem Schlosse Schönwalde bei Silberberg verlegt. Es wurden nun die schlesischen Festungen mit Kriegsbesatzungen versehen und auf den Höhen von TV iese, zwischen Glatz und Silberberg, ein grosses verschanztes Lager angelegt, um einen Angriff abzuwehren. Die Abtheilungen der II. Armee hatten im Laufe des Monats April ebenfalls den Auf­marschraum im Brandenburgischen und Magdeburgischen erreicht und Cantonnements von Halle über Cöthen-Bernburg, Aken, Zerbst, Calbe, Trouenbrietzen, Potsdam, Berlin, Fürstenwalde, Frankfurt a. d. 0. bis Beeskow bezogen. Wie aus dieser Darstellung zu ersehen, waren die Kriegs­rüstungen der Preussen jenen der Österreicher nicht bedeutend voraus, obgleich seit dem Regierungsantritte Friedrich II. die Stärke der preussischen Kriegführung in der auf rasche Mobilmachung, Zusammen­ziehung und Bildung der Massen basirenden Kriegsbereitschaft und Schlagfertigkeit des Heeres beruhte und dies dem königlichen Feld­herrn in früheren Kriegen gestattete, die Initiative sich zu wahren und die in ihren Kriegsvorbereitungen zurückstehenden Nachbarmächte strategisch zu überfallen. Um die österreichische Armeeleitung über den vorhabenden Operationsplan irrezuführen und zu falschen Bewegungen und Massen- Concentrationen zu veranlassen, verlangte der preussische Hof in einer Note vom 13. April 1778 von der Krone Polen den freien Durchzug eines Corps von 27 Bataillonen, 30 Escadronen durch das Gebiet der Republik. Als Motiv hiezu wurde angeführt, dass ungeheuere an den Grenzen von Schlesien betriebene Kriegsrüstungen den König nöthigten, den grössten Theil seiner in der Provinz Preussen stehenden Truppen durch Polen an den Ort ihrer neuen Bestimmung in Marsch zu setzen, damit sie rechtzeitig daselbst einträfen. Polen lehnte diese Aufforderung am 15. April mit der Erklärung ab, dass der König und

Next

/
Thumbnails
Contents